Ein Höhepunkt unserer diesjährigen Reise ist der Besuch der Windjammer, die im Rahmen des Tall Ship Race 2019 ihre Regatta in Aarhus beenden.

Von Aalborg in Dänemark startete das Rennen nach Frederikstad im Oslofjord. Die Teilnehmer segelten danach im „cruise in company“ Modus nach Bergen, um von dort zur zweiten Wettfahrt abzulegen, die ihren Abschluss in Aarhus fand. Von der grössten Viermastbark Mir aus Russland bis zum kleinsten 40 Fuss Yacht Teilnehmer aus Polen nehmen zahlreiche Grosssegler, Traditionsschiffe aber auch Yachten an dem Ereignis teil. Die Crews bestehen entweder aus Seekadetten, Marineangehörigen der jeweiligen Länder oder einfach Menschen, die  ein Segelabenteuer erleben möchten. Solch ein Grossereignis in einer Hafenstadt deren Historie bis zum Jahr 770 zurückgeht zieht Schaulustige an. Wie viele andere laufen wir zum Hafen. Glücklicherweise verteilen sich die Massen, da die ausgedehnten Kaianlagen weitläufig sind. Uns springt gleich die riesige Nationale eines Windjammers ins Auge: rot weiss grün walkt das überdimensionale Tuch im Wind. Einige Matrosen arbeiten in den Rahen.

Über das Fallreep geht es an Bord. „Viva Mechico“. Wir stehen an Deck der Cuauhtémoc. Gebaut in Bilbao, Spanien von der Celaya Werft wurde die Dreimastbark im Juli 1982 fertiggestellt. Sie war die letzte von vier Windjammern, die die Celaya Werft baute.Benannt nach dem letzten Aztekenkönig Cuauhtemoc, der im Jahr 1525 vom spanischen Eroberer Herman Cortes gefangen genommen und hingerichtet wurde. Das Vollschiff zählt mit seinen 1800 Tonnen und 270 Fuss Länge zu den grössten Windjammern der Welt. Die Mannschaft präsentiert sich in makelloser Uniform mit den verschiedenen Dienstgraden. Die akurat frisierten schwarzen Haare der jungen Männer glänzen im Kontrast zur gebräunten Haut. Die 225 Mann Besatzung verbringen bis zu 10 Monate an Bord. Wir erkunden das Deck vom Bug bis zum Heck. Taue sind aufgeschossen, Messing poliert, das Material ist in tadellosem Zustand.

Später haben wir Gelegenheit noch andere Schiffe zu besuchen, doch keines ist so gut gepflegt und mit vielen nagelneuen Bauteilen versehen wie das mexikanische Schulschiff. Auf dem Achterdeck steht der Offizier Richel. Er lächelt freundlich und gibt Auskunft: „ Gestartet sind wir in diesem Jahr von der Pazifikküste durch den Panamakanal im März. Dann ging es die amerikanische Küste hoch bis Halifax. Von dort segelten wir über den Nordatlantik nach Belfast im April und Mai. Es gab Eisberge, viel Nebel und Windgeschwindigkeiten bis 55 Knoten. Das Schiff macht dann eine Lage von 35 Grad. An Deck bewegen wir uns bei solchen Bedingungen nur in Harnessen.”

Richel ist Seemann aus Leidenschaft, aber im Alter möchte er mehr Zeit für die Familie haben. Die lange Trennung ist schon schwer, meint er. “Erst im November erreicht die Guauhtemoc wieder ihren Heimathafen. Wir müssen dieses Jahr auch während der Hurrikansaison durch gefährdetes Gebiet. Dabei rufen wir täglich bis zu viermal die Wetterdaten ab und versuchen Stürmen auszuweichen.” Ich bedanke mich für das informative Gespräch und wünsche ihm eine gute Reise.

Nahezu jeder Grosssegler lädt Besucher ein zum OPEN SHIP. So geht es für uns über Grosssegler aus Norwegen, die Niederlande und die russische Mir sogar auf ein Schiff aus dem Oman.

Allen Vorurteilen zum Trotz ist die Besatzung gemischt. Arabische Ladies in Uniform leben und arbeiten an Bord. Ein weibliches Crewmitglied begrüsst und mit ihrem charmanten Lächeln. Die Crews der Nationen nutzen den Hafenaufenthalt auch, um die Besatzungen der anderen Schiffe besser kennenzulernen. Auf den norwegischen Schiffen sind viele junge weibliche Sailtrainees. Eine Gruppe Mädchen entert die russische MIR und macht den Seekadetten dort schöne Augen. Doch die bleiben ungerührt und lassen die Teenies abblitzen.

So treffen verschiedene Welten aufeinander. Doch allen gemeinsam ist der Spass am Segeln und der Seefahrt. Ob streng militärisch oder mit flaxem Ton an Deck, was zählt ist das Erlebnis der Natur in der Gemeinschaft.

Wir nehmen viele Eindrücke an diesem Tag mit von Menschen aus unterschiedlichen Erdteilen und dem Fernweh, dass die imposanten Windjammer mit ihren über die Toppen geflaggten Masten verbreiten.