Der bissige Südwester hat sich etwas beruhigt. Kaum strecken wir aber unser Nasen aus der Bucht von Moss, da zeigt er nochmal seine Zähne. Selbst auf dem oberen schmaleren Teil des 100 km langen Oslofjords wallen die Böjen bis 26 Knoten auf.

Auf dem Oslofjord

Vorbei an unzähligen Inseln und steilen bewaldeten oder aber stark bebauten Hängen geht es der Metropole entgegen. Der geplante Stopp in Drobaek entfällt. Wir begnügen uns mit einem Blick auf das malerische Fischerstädtchen vom Wasser aus und lesen im Reiseführer, dass ein Geschäft für Weihnachtsschmuck das ganze Jahr geöffnet hat. An Weihnachten denken wir jetzt noch nicht und rauschen mit der guten Backstagbrise vorbei. Schon liegt Oscarsberg mit der Festungsanlage voraus. Mitten im Fjord türmt sich das Massiv der Insel Haoya auf. An dieser Engstelle liegt die „Blücher“ auf ca 100m Wassertiefe am Grund. Eine Bergung wäre sehr kostspielig.

Auf dem Weg Richtung Oslo

Selbst vor Oslo liegen grüne Inseln mit vielen Buchten, die zur Naherholung genutzt werden. Wir ankern in einer Bucht der Insel Bronnoya  und schauen am Nachmittag den kreisenden Motorbooten zu, die kreischende Kinder zum Vergnügen auf bunten aufgeblasenen Plastiksofas und  Scheiben durchs Wasser ziehen. Ein kleiner Segler aus Wien mit eine Boot, dass eine Mischung aus Segel- und Motorboot darstellt, hat es auch bis hier oben geschafft. 

Die Stadt liegt ausgebreitet vor uns und zieht sich die vielen Hänge hoch. Die Landschaft breitet sich zerfurcht aber abgerundet wie ein riesiges Amphiteather aus. Weisse Wolken die an der Unterseite in einem intensiven blau leuchten ziehen über sie hinweg.  Vor 25000 bis 12000 Jahren bedeckte eine bis zu 2km dicke Eisschicht die nördliche Hemisphäre. Der Druck der Eismassen komprimierte die Erde so stark, dass die Küstenlinie in Oslo 221 über dem heutigen Level lag. Dann wurde das Klima milder, das Eis schmolz und die Landmasse hebte sich.

Zur Einstimmung auf den Stadtbesuch lese ich: Oslo, übrigens auf norwegisch „Ussslu mit scharfem „S“ ausgesprochen, wurde um 1000 AD gegründet und breitete sich um die Mündung des Flusses Alna zu einem wichtigen Handelplatz aus. Nach dem grossen Brand von 1624 liess König Christian IV von Dänemark die Stadt neu errichten und gab ihr den Namen Kristiania. Erst seit 1925 heisst die Hauptstadt Norwegens wieder Oslo. Heute leben ca. 680.000 Menschen in Oslo. Zahlreiche Fährlinien und Kreuzfahrtschiffe laufen die Hafenstadt an. Mit einer Vielzahl von interessanten und berühmten Museen, modernem Livestyle, Entertainment und einem grossen Freizeitangebot hat sich Oslo zum beliebten Citytrip und Ganzjahresziel entwickelt.