„Wo geht´s hin?“ fragt Leila, als wir am Heck vorbeifahren. Genau genommen ist Leila eine 36 Fuss Sveden Yacht und die Auskunft heischende Bordfrau

Unter Spi bei Kaiserwetter

Typ ehemalige Mathelehrerin mit braun grauem Kurzhaarschnitt, altmodischer Brille und kantigem Gesicht dessen Ausdruck stets einen Anflug von Misstrauen widerspiegelt. Bereits bei unserem Anleger hat es sich die emsige Nachbar Bordfrau nicht nehmen lassen nochmal selbst einen prüfenden Blick auf unsere Luvleinen zu nehmen und den Sitz der Schläge auf den Klampen zu billigen. Als der Wind einschläft überlegen wir nach Ebeltoft abzudrehen, statt wie brav Leila gemeldet nach Grenaa zu laufen. Da taucht Leila auf wie aus dem Nichts, scheint es uns gleich zu tun. Nach Winddrehung kommt doch ein Lüftchen. Wir machen eine  Wende um Leila herum und hinter der Insel Hjelm ziehen wir den Spi. Das lässt sich Leila nicht bieten. Sie hat uns bereits eingeholt und die Bordfrau turnt im roten Flies nach vorne. Nach einigem Klarieren geht auch hier die Blase hoch. Doch statt sich zu enthalten hängt eine verknotete Acht am Vorstag. Bei uns an Bord gibt es unterdessen eine leckere Zwischenmahlzeit. Aus dem Revierführer erfahre ich, dass wir an Djursland entlang segeln. Der Däne nennt diesen Landesteil auch Tropfnase, da die Küstenform wie eine Nase in das Kattegat hineingragt und die südlichen Inselchen zwischen Arhus und Ebeltoft die Tropfen sind. 

Küste Djursland querab

Am Schluss siegt Leila auf der Langstrecke und läuft einige Schiffslängen vor uns nach Grenaa rein. Die besten Liegeplätze für die nächsten Tage sind hinter Holz Ferienhäuschen im inneren Hafenbecken. Als Astarte ihren Bug hineinstreckt, schiesst Leila heraus auf Gegenkurs. Ich rufe herüber: „ Sind irgendwo grüne Schilder?“ (grün steht für einen freien Platz). Antwort Bordfrau: Es ist alles rot. Da winkt uns auch schon ein freundlicher Däne heran. Der Eigner eines grossen Motorbootes deutet auf seinen Nachbarplatz. Ein idealer Platz, der frei ist. Wollte Leila uns den nicht gönnen?

Geschützter Liegeplatz im Hafen Grenaa

Die nächsten Tage mit Regenböen und Starkwind aus dem südlichen Sektor können wir hier gemütlich abwettern. Mit dieser Gewissheit stört uns auch die Teenagerhorde nicht, die das noch heisse Badewetter nutzen und unter lautem Gejohle keine fünf Meter von uns ins Wasser springen. Ein Ghettoblaster dröhnt auf maximaler Lautstärke, so dass wir uns nur schreiend verständigen können. Wir merken, dass wir alt geworden sind, denn der Musikgeschmack der Jungs weicht doch erheblich von unserem ab. „ nigge pis, nigge snisch, nigge how…“ So schallt es noch eine gute halbe Stunde, dann trollen sich die Halbstarken, da keine Mädels auftauchen, für die sich ihr Imponiergehabe wenigstens lohnen würde.

Badeleben am Steg