Jetzt oder nie ist die Devise. Es hat sich ein kleines Wetterfenster aufgetan für den Sprung nach Schweden. Bis wir endlich los kommen ist noch einiges zu tun. Fahrräder zusammenlegen. Müll wegbringen, Wasser tanken und Mannschaft und Schiff seeklar machen. Umständlich ist in diesem Revier das Ändern der Festmacher von Ruckfender mit Schnappschäckeln zu normalen Festmacherleinen, die man durchziehen kann und umgekehrt, denn mit der Befestigung am Schnappschäkel kann man nicht ohne weiteres ablegen. An den Bojen empfiehlt es sich bei Wind zunächst den Druck herauszunehmen, indem man sich mit Hilfe einer langen Bugleine verholt.

Um die Mittagszeit laufen wir hoch am Wind bei kernigem Wetter und Dünung zwischen den Schären südlich. Eine Fähre schiebt sich dicht an uns vorbei. Hier ist nicht viel Platz zwischen den Fahrwassertonnen. Dann kommen wir aus dem Schutz der vorgelagerten Inseln heraus und der Ritt kann los gehen. Einzelne Brecher von vermutlich reflektierenden Wellen, die sich am Sockel der Inselgruppe aufstauen, steilen sich auf und das weisse sprudelnde Wasser ergiesst sich über das Vorschiff. Wir haben kein festes Ziel. Falls der später noch mehr gegenan dreht, heisst es Höhe laufen und vorhalten.

 

Für die jungen Kerle eines Racers, der uns mit seinen Regattasegeln und seinem schnittigen Rumpf spielend überholt, sind diese Bedingungen genau das richtige, um auf der hohen Luvkante mit Wind und Wasserspritzern im Gesicht sich mal richtig auszutoben. Das Wolkenbild lesend, kündigt sich mir Wetterberuhigung an. Astarte läuft Rumpfgeschwindigkeit und pflügt ihren Kurs durch die grünlich schimmernde See. Bald tauchen die ersten Felsen Schwedens auf und wir tauchen ein in ein Meer aus Stein und Wasser. Jetzt steht die Entscheidung an, ob wir nördlich nach Norrtälje in einen tiefen Fjord fahren oder die Nacht vor Anker an einer der unzähligen Schären verbringen.

Das Wetter ist unbeständig, Einzelne dunkle Wolkengebilde türmen sich mächtig zusammen und führen Wind und Regen mit sich. So sind wir in den nächsten zwei Stunden fast zehn Mal dabei die Segel wegzunehmen und wieder zu setzen. Regen zieht durch als Niesel oder schwerer Schauer. Strahlend  leuchtet ein Regenbogen in bunten Spektralfarben am Horizont. Es ist schon Abend, da setzt noch eine Brise ein, die uns umstimmt. Wir laufen weiter nach Süden und machen Meilen. Die Entscheidung wird unterstützt durch eine plötzliche Erkenntnis: „ Wir haben eine Stunde gut gemacht. Sind jetzt wieder in der westlichen Zeitzone UTC + 2h.“ Axel antwortet: „ Rocks around the clock“ und stellt die Schiffsglasenuhr auf die neue Zeit ein. Es ist noch lange hell. Vorbei an blanken Felsgruppen und bewaldeten Inseln im Wechsel wird es ein ruhiges Abendsegeln durch eine durch die Eiszeit geformte urtümliche Natur. Unser Anker fällt schliesslich mitten in einer kleinen Bucht von ungefähr 50 Meter Breite. Eingerahmt von 34 weiteren Motor- und Segelyachten, die alle per Heckanker direkt an den Uferfelsen liegen. Wir fühlen uns wie auf der Bühne eine Amphitheaters und verziehen und bald unter Deck. Nach einer ruhigen Nacht herrscht am Morgen schon Betriebsamkeit um uns herum. Es sind alles Schweden, die entweder Müll wegbringen, den Hund ausführen, im Cockpit frühstücken oder schwimmen gehen. Ein neuer Tag beginnt im immer gleichen Urlaubs-Rhythmus. It´s summertime im Skärgarden.