Nach einem kurzen Wettercheck entscheiden wir uns, der Hauptstadt Rügens einen Besuch abzustatten. Wittow, übersetzt Windland macht seinem Namen auch heute alle Ehre. Also wieder per Bus unterwegs. Kiefernwäldern, Buchenwälder, Rapsfelder, Gras- und Schilfebenen, die von geschwungenen Ufern umsäumten Boddengewässer, ziehen vorbei. Es geht durch Dörfer über Kopfsteinpflaster; wir werden kräftig durchgeschüttelt. Enge Kurven, Kehren, vorbei am Hafen Mukran mit einer grossen Anzahl imposanter Flügel für Windkraftanlagen, Plattenbauten. Die Plattenbauten am Ortsrand von Sagard haben einen hellblau und terrakottafarbenen Teilanstrich. Die Aufhübschung wird mit einem Schriftzug: „Hier wohnen ist Leben“ motivierend unterstrichen. Der Hauptort Bergen wird im Reisefüher als betriebsam beschrieben und für seine gute Shoppingauswahl gelobt. Das müssen andere Zeiten gewesen sein. Uns empfangen verwaiste Läden mit leeren Schaufenstern. Einzig das Schild „zu vermieten“ heftet an den Scheiben. Die Dame im Touristmusbüro wirkt hilflos.

Bergen Marktplatz

Bergen Marktplatz

Marienkirche

Marienkirche

Der Automat zu den öffentlichen Toiletten ist defekt. Wir landen ernüchtert im Eiscafe und gönnen uns Süsses. Die Marienkirche, das Kloster, zwei, drei Strassen sind schnell abgehakt. Wann geht der nächste Bus zurück? Den wollen wir auf keinen Fall verpassen. Unsere Rückfahrt fällt mit dem Schulschluss zusammen. So stehen wir mit geschätzten 150 Schülern am Busbahnhof. Der Geräuschpegel ist entsprechend. In einer grossen Traube eingeklemmt, werden wir von den Jungen und Mädchen mitgerissen und sind froh noch zwei Sitzplätze im Bus zu ergattern. Der Bus hält teilweise mitten auf dem Land. Keine Häuser weit und breit zu sehen. Ein harter Schulalltag. Wer hier morgens und nachmittags jeweils 1,5 Stunden Busfahrt absolvieren muss. Auch wir werden schläfrig im schaukelnden, überheizten Bus. Da sind die Pausen des Busfahrers und der kurze Schnack mit Kollegen andere Busse auf der Strecke eine willkommene Abwechslung. Mal geht es um die Rente oder die örtliche Politik. Jedenfalls hat man hier Zeit. Auch die Familie kommt nicht zu kurz. Der Busfahrer wird  von Sohn und Enkel an einer Haltestelle begrüsst. „ Gib Opa mal einen Kuss.“ Der Sohn berichtet vom Angeln. Der Wasserstand sei zu niedrig. Ob der Vater schon auf Hechtfang sei? Er antwortet: „ Ich hab schon einen Springer ausgelegt“.