Unser nächstes Ziel ist Rostock. Rechtzeitig vor der Front wollen wir die Warnow hoch und den Sturm im Stadthafen abwettern.

Schnell zieht Heiligendamm vorbei und grüsst in der Sonne strahlend mit seinen weissen Bauten und der Seebrücke.

Vor der Einfahrt von Warnemünde wird es ruppig und kabbelig. Unter Segeln surfen wir auf den Wellen.

ruppig vor Warnemünde

ruppig vor Warnemünde

Kurs halten ist nicht einfach, um so weniger als dass uns ein kleines Motorboot mit einem alten Mann am Steuer abdrängt. Zwischen Fahrwassertonne und Steinmole wird es eng. Er schippert nur ein Meter entfernt von unserer Bordwand und scheint uns nicht einmal wahr zu nehmen. Wir schreien Raum und glücklicherweise gibt er Gas und schiesst davon.

mit den Vorfahrtsregeln noch nicht so vertraut

mit den Vorfahrtsregeln noch nicht so vertraut

Vorbei an mächtigen Kränen, Werfthallen, Fähranlegern und beschilften Ufern wo sich Angler in kleinen Kähnen und Schlauchbooten am Fahrwasserrand ankernd wie aufgereiht an einer Perlenschnur drängen, geht es Richtung Stadt.

Bald kommt sie Backsteinkulisse der Hansestadt Rostock in Sicht.

Schnell finden wir noch einen guten Liegeplatz auf der Steg-Leeseite, ideal um die kommenden Wettergeschehnisse abzuwettern.

Später will ich zum Hafenmeisterbüro, doch die Tür, die den Steg von der Brücke zum Land trennt, geht nicht auf. Alles drehen und hebeln nützt nichts. Wir kommen nicht an Land.

Um die Tür herumzuklettern erscheint mir zu waghalsig, bei der Möglichkeit in das 5 Grad kalte Wasser zu fallen.

Widerwillig nimmt der Hafenmeister meinen Anruf entgegen, vermutet er doch, dass er es wieder mit einem Wassertouristen zu tun hat, der zu dämlich ist, den Drehknauf zu bedienen. Nach zehn Minuten kommt er aber doch vorbei und versucht die Tür von der Landseite her zu öffnen. Auch ihm gelingt es nicht. Da hat sich wohl etwas verzogen.

Als letzte Massnahme  nimmt er Anlauf und reisst sein Bein in die Luft, um mit aller Wucht gegen das Schloss zu treten. Die Tür schwingt auf und schlägt mit lautem Knall gegen das Brückengeländer. Er untersucht die Ursache und schliesst die Tür erneut, allerdings ist er nun auch auf der Stegseite. Seine Schnellreparatur war wohl erfolglos. Nichts rührt sich. Nun sitzen wir beide auf der Wasserseite fest. Ich frage: „ Haben Sie noch einen Kollegen im Laden?“ Er antwortet: „ Nein ich bin alleine.“ Ich denke: Na das ist ja klug. Sein Rütteln bleibt erfolglos. Ein älterer Herr läuft auf dem Kai vorbei. Ich winke ihn heran. „Können Sie uns helfen?“ Er zögert und will weitergehen. Ich wieder: „ Sie müssen nur ein Mal kräftig gegen die Tür treten, bitte!“ Er gibt nach und als die Tür durch seinen Tritt wieder aufspringt verliert er fast das Gleichgewicht. Das Hafenmeister wird von der aufspringenden Tür am Arm getroffen und fällt die Rampe zurück mir entgegen. Ich bekomme ihn zu fassen und kann ihn festhalten, so dass er nicht ins Wasser stürzt.

Knapp stellt er fest: „ So, da kommt jetzt erstmal ein Kabelbinder dran und die Tür bleibt auf.“