Die Aland Inseln gesprochen OOOOOHland (wobei das O ein kehliger Laut ist) sind ein amphibisches Archipel aus ca. 6500 Inseln und jeder Menge Wasser dazwischen. Das nasse Element bedeckt eine Fläche von 5.258 Quadratkilometern und die Landfläche der Inseln, Schären und Klippen kommt auf 1.481 Quadratkilometer. Aland bedeutet übersetzt Wasserland. Wer als Durchreisender die Inseln nur als Brückenkopf für den Weitertransport nach Schweden oder Finnland nutzt, der erkennt schnell, dass die paradisische Schönheit der Inselgruppe zum bleiben für einen ganzen Urlaub verführt.
Als Hinterlassenschaft der letzten vor 70.000 Jahren

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begonnenen Eiszeit bilden die Alands Europas grösste Inselgruppe. Nach der Eisschmelze konnte sich das Land wieder heben. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen, so dass das Inselreich immer grösser und um neu auftauchende Schären erweitert wird.
Im Juli und August scheint fast immer die Sonne, der Herbst ist lang und mild. Diese Vorzüge erkannten Siedler anscheinend bereits vor 6.000 Jahren, davon zeugen Ausgrabungsspuren. In der wechselvollen Geschichte fanden Wikinger, Schweden, Finnen und auch Russen eine Heimat. Viele Infrastrukturmassnahmen kamen erst unter der Herrschaft der russischen Zaren voran. Die Festung Bomarsund sollte zum Gibraltar des Nordens ausgebaut werden. Die heutige Hauptstadt Marihamn, Regierungssitz der autonomen Alands, wurde 1861 von Zar Alexander dem II gegründet und nach seiner Gattin Maria Alexandrovna benannt. Nach Zusammenbruch des Zarenreiches beanspruchten Schweden und Finnland das Land der Inselgruppe gleichermassen. Die schwedischsprachige Inselbevölerkung wollte den Anschluss an Schweden, doch Finnland befürchtete den Zerfall seiner jungen Republik. Die Fronten waren verhärtet und so kam die Frage 1921 vor den Völkerbund. Schliesslich wurde ein eigener Staat geboren, der zwar zum Landesteil Finnlands gehört, aber kulturell, ethisch, sprachlich und in der autonomen Selbstverwaltung mit eigenem Parlament, Lagting genannt, eigener Flagge, eigener Post (die Briefmarken sind sehr begehrt!) den Aländern ihren Sonderstatus zuerkannte.
Heute ist Aland der Sitz vieler Reedereien und Schiffs-Versicherungsgesellschaften. Die Insulaner haben ihre Geschicke in den letzten Jahrzehnten erfolgreich gelenkt:
Das Pro Kopf Volkseinkommen der Alands entspricht dem der USA.
Auf der Insel leben mehr Geschäftsleute pro Einwohner als anderswo in Europa.
Mariehamn hat die weltweit grösste Dichte an Schiffsreedern aufzuweisen.
Nirgendwo sonst in Europa besitzen die Menschen so viele Autos pro Familie und das bei nur rund 1.000 Strassenkilometern.
Auch bei der Relation Einwohner zu Bankfilialen ist der Archipel europäischer Spitzenreiter.
Schliesslich gehört der Lebensstandard der Aländer zu den höchsten des Kontinents.
Aland ist die Heimat einer riesigen Flotte von Öltankern und Jumbofähren. Die Bevölkerung bekommt einen Teil vom grossen Kuchen ab. Nahezu jeder Einwohner hält Aktien an den Schiffsgesellschaften. Dieser spezifische Aländische Volkskapitalismus hat eine lange Tradition und ihre Anfänge in der Windjammer Ära. Sinn war es die Risiken auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Gewinne des einen Schiffes konnten Verluste eines anderen Schiffes ausgleichen. Von Verlusten konnte im Zeitalter der grossen Fähren immer weniger die Rede sein. Im Jahr 1933 fuhr die Fähre Lucky Lawhill Gewinne ein, dass auf eine Aktie im Nennwert von 2.500 Finnmark rund 75.000 Finnmark anfielen, eine Dividende von rund 3.000 Prozent. Diese Zeiten sind vorbei, aber immerhin nutzen jährlich etwa 12 Millionen Fahrgäste die aländischen Fähren.

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Flagge der Alands

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