Nach einer Nacht am Anker im Horsensfjord, übrigens einem einmaligen Naturreservat für die grösste Kormorankolonie Dänemarks geht der Anker mittags auf nachdem sich die dunklen Wolken verzogen haben und der böige Wind etwas gleichmässiger weht. Der Weg nach Süd wird fortgesetzt, denn ein Frontensystem ist im Anmarsch und lässt leider keine Zeit sich im Fjord noch einige Tage aufzuhalten.

Ankerplatz im Horsensfjord

Wir hoffen aber wieder zu kommen und die Gegend näher erkunden zu können. Sie ist vielversprechend für Ausflüge per Kajak, Fahrrad oder Wanderungen. Der versprochene Westwind weht dann doch eher aus Südwest. Wir entscheiden uns unterwegs für das Anlaufen von Bogense. Im südlichen Kattegat, den Belten und Sunden sind die Entfernungen zu Häfen oder Ankerplätzen kurz und die Auswahl vielfältig. So lassen sich Törnziele dem Wetter anpassen und Spontanentscheidungen sind möglich. Ein reizvolles und vielfältiges Segelrevier für entspanntes Segeln hat dem Skipper viel zu bieten. Bogense selbst liegt an der Nordküste der Insel Fünen.  Vorgelagert ist die  unbewohnte Insel Æbleø (zu Deutsch “Apfelinsel”) Es ist eigentlich eine Halbinsel, denn nur bei Flut ist der Zugang mit Wasser bedeckt. Es ist schon eigentümlich hier in der Ostsee Gezeiten vorzufinden. Doch die im Tourismusbüro verteilten Infoblätter geben dem Wanderer Zeiten und Wasserstände an die Hand, um trocken und sicher  über den “Ebbeweg” zu laufen. Vom Wasser aus in betonnten Fahrwasser fällt die Entscheidung entweder für den schlauchförmigen in einem kleinen Becken endenden Stadthafen oder die Marina mit 700 Liegeplätzen. Für unsere Schiffsgrösse ist das Wenden im bereits überfüllten Stadthafen nicht möglich. So laufen wir die Marina an. Auch hier engt sich die Auswahl der Liegeplätze stark ein, da in vielen Reihen die Heckpfähle nur auf 2,5 Meter breite Boote ausgelegt sind. Nach dem Anleger prüfe ich die Bilge und stelle ein Rinnsal und Wasserspritzer fest, die von oben kommen.

Das Erkunden des Städtchens, deren touristischer  Slogan “Fünens gemütlichste Kleinstadt”, das Lebensmotto der entspannten Bewohner widerspiegelt, bleibt fürs Erste aus. Stattdessen baut Axel den Niedergang ab und inspiziert die Maschine. Bald ist eine Schlauchleckage lokalisiert. Mit zweifachen Schlauchschellen werden die Anschlüsse stabiler gemacht, so sollte es dicht bleiben. Derweil reinige ich Lichtmaschine und den Bereich wo die Keilriemen laufen. Hier sammelt sich durch den Abrieb der Riemen schwarzer Dreck. Wie Russ liegt der Staub auf. Nach der Säuberungsaktion ist der Motor sauber, doch meine Arme weisen etliche schwarze Flecken auf. „ Job done“. Am Abend geht es dann doch noch nach Bogense, Luft schnappen nach drei Stunden Schweissarbeit an Bord. 

Wie hübsch sich Bogense herausgeputzt hat. Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Rose.

Überall Bouqets, Blumenschmuck, phantasievolle Ornamente, Schilder mit klangvollen Rosensortennamen. Doch welche Enttäuschung, die Pracht wird abgebaut. Trecker und Wagen transportieren alles ab. Wir beeilen uns den Rosenduft zu schnuppern, bevor die Kübel weggerollt werden. In Nordfünen liegen ähnlich wie am Aalsmeer in den Niederlanden die grösste Rosenproduktion Dänemarks. Bunte Felder erstrecken sich soweit das Auge schauen kann. Ich hebe drei rosarote Rosenköpfe auf. Die könnte man doch trocknen, viel zu schade diese schönen Rosen wegzuwerfen. Doch schliesslich fliegen sie wieder im hohen Bogen auf den Boden. Keine Blumen an Bord, das bringt Unglück!