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Per Pedes geht es nach Ebeltoft. Das Korn steht üppig auf den Feldern. Der Himmel ist blau und strahlend weisse Wolken ziehen vorbei. Dunkel streckt  sich der Wald an der Küste entlang. Pferde grasen gemächlich auf der Koppel. Vereinzelte Gehöfte liegen am Weg. In einigen lose getürmten Kisten wird lokaler Honig angeboten.

Diese Puppenstubenlandschaft macht einfach froh.  Bald ist der Lystbadehavn von Ebeltoft erreicht. Fallunrote Ferienhäuschen umringen das Marinabecken. Eine Schülergruppe in orangen Feststoffschwimmwesten macht sich fertig zum Wasser gelber Seekajaks. Für uns geht es voran zum Fischerhafen. Hier waren wir zuletzt vor 21 Jahren. Das alte Ebeltoft hat sich kaum verändert. Erneuert wurde der Museumskomplex um die Fregatte Jylland und das Glasmuseum ist in einen modernen Gebäudekomplex umgezogen.

An diesem Ferientag platzt Ebeltoft aus allen Nähten. Wie ein Schwarm Wespen fallen die Touristen ein. Auch AIDA hat eine Gruppe abgesetzt, wohl per Bus aus Aahus angereist. Kunsthandwerk, danish designed Töpfereiprodukte aber auch Nepp aus Fernost und Klamotten von ramschig bis edel für jeden Geldbeutel sind im Angebot. 

Wir beobachten einen Katamaran Typ Lagoon, der Anker auf geht und in den Stadthafen einläuft. „Mal sehen wie die anlegen,“ sage ich. Zwei junge Männer sind an Bord. Behende springen sie von Bord und vertäuen den Cat am Pier. Ein wahres Ungetüm. Umbauten wecken unser Interesse. Der Serien-Katamaran wurde um eine ausladende Heckplatform und massive Reling erweitert. Edelstahlrohr von ca 4 cm Durchmesser mit dreifacher Querverstrebung umsäumt die Deckskanten und bildet einen regelrechten Käfig am Heck. Die mehrstufige Etagere ist Lagerort für jede Menge SUP Boards und anderes Equipment. Grade diskutiere ich mit dem Skipper das enorme Zusatzgewicht der Anbauten, da kommen wir mit dem Bootsbesitzer ins Gespräch. „ You can buy this boat”, meint er. Blond, braungebrannt, Typ sunnyboy hat der Däne den Mehrrumpfer in Sizilien einem Deutschen abgekauft, der ein Werk für Edelstahlverarbeitung besitzt. Er erzählt freimütig, dass er sein Geld damit verdient Schiffe zu kaufen, sie aufzubereiten und dann wieder zu verkaufen. Ferne Reisen Indischer Ozean, Karibik, habe er schon mit einer Amel 50 unternommen. Wir wünschen ihm Glück und ziehen weiter zum Museumsgelände der Fregatte Jylland. Besichtigen wollen wir die Fregatte nicht, da wir sie vor Jahren schon gesehen haben. Im Museumseingang befindet sich auch das Tourismusbüro. Während ich durch das Prospektangebot browse, werde ich plötzlich zurückgepfiffen. Ich wäre schon im Museumsbereich wo man Eintritt zahlen müsste. Bei dem schönen Sommerwetter wollen wir uns keine maritimen Artefakte anschauen, also verdrücke ich mich schnell wieder Richtung Ausgang. 

Als eines der schönsten Dörfer Dänemarks wird Ebeltoft in vielen Reiseführern beschrieben. Und wirklich, neben Aero auf Aerosköbing ist es pittoresk. Wenngleich sich der „hyggelige“ Charm der geduckten Häuschen besser in den stillen Wohn-Nebenstrassen erleben lässt, als auf der “Touristen umtosten” Fussgängerzone wo das Geschiebe nervig ist und die vielen Menschen kaum mehr ein Fotomotiv ohne ungewollten Vordergrund zulassen.

Daher flüchten wir bald in die kühlen Räume der bis heute im Original erhaltenen frei zugänglichen alten Färberei. Wohnstube, Schlafgemach, Küche, Werkstatt, Speisekammer alles wirkt sehr „petit“.  

Bewirtschaftet wurde die Färberei von Familie Petersen. Johan stand im Sommer oft um vier Uhr auf, um auf seiner Rundtour durch Mols Stoffe und Garne von den Höfen zu holen. Johans Frau Kristine hatte sich neben dem Haushalt auch um die Wäscherei zu kümmern. Johan berichtet über die Herkunft der Farben, mit denen er hauptsächlich im  „Farvergarden“ färbt:

„Für rotbraun brennen wir Brazilholz ab und für schwarz pulverisieren wir logwood, dass zwar braun aussieht aber schwarz färbt. Grated fustic ergibt gelb, orchil bringt lila, madder liefert rot. Viele Rohstoffe kommen von weit her.“ 

Fam. Petersen

Heute ist es selbstverständlich Kleidung in allen Farben verfügbar zu haben. Vor der Industrialisierung und der Erfindung synthetischer Farbstoffe in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts waren Farben limitiert auf die Möglichkeiten ihrer Herstellung aus natürlichen Grundstoffen. Je seltener und teurer die Rohstoffe für das Färben waren, so begehrter waren sie beim Adel. Die Kleiderfarben spiegelten den Status der Träger wieder. Blau war Königen vorbehalten und purple den Kardinälen.

Der Rohstoff für blau, das Indigo wurde aus Indien importiert und war sehr teuer. Auch der Aufwand für „purple“  war immens. Extrahiert aus einer Seeschnecke mussten für 1,4 g Farbstoff 12000 Schnecken ausgebeutet werden.  Bereits die römischen Kaiser bevorzugten die lilafarbenen Gewänder, da sie selten und wertvoll waren. Die Meisterfärber hüteten ihr Rezepturen, durch die sie in der Lage waren Schattierungen hervorzurufen. Verständnis von Chemie und handwerkliche Fertigkeiten waren nötig mit Katalysatoren wie Alum und Salz zu dosieren. Widerwillig löse ich mich von den Schaugläsern der Rohstoffe, aber der Weg zurück nach Oer liegt vor uns und wir wollen noch Lebensmittel einkaufen.

Mittlerweile brennt die Sonne vom Himmel. Wir brauchen eine Stärkung jetzt gleich. Keine Lust auf Wartezeiten und die überfüllten Restaurants. Im Kvickly Supermarkt holen wir schnell zwei frische Fertigsalate, die ich mit Hähnchenstreifen aufpeppe. Dazu gibt´s Kaffee vom Selbstbedienungsautomaten. Im Bäckereibereich des klimatisierten Supermarktes picknicken wir unter den neidischen Blicken der anderen Gäste, die verstohlen auf unsere leckeren Salat Eigenkreationen schielen. Da erweist es sich als nützlich, jederzweit das eigene Plastikbesteck in der Packtasche dabei zu haben. Gestärkt und mit vollen Packtaschen radeln wir zum Hafen Oer zurück. Eine gute Entscheidung, denn das Sortiments des “Kobmands” vor Ort ist doch eher nur auf den Snackbedarf des Strandurlaubers zugeschnitten.