Keine überquellenden Mülltonnen, nichts beschädigt, demoliert oder mit Graffiti beschmiert, kein Hundekot auf den Wegen  – der Traum jedes Bürgermeisters – in Moss Realität. In einer Broschüre begrüsst der Bürgermeister von Moss Einwohner und Gäste, wirbt für Firmenansiedlungen und fördert das Gemeinwesen.

Am Hafenkanal von Moss

Überall üppig bepflanzte Blumenkübel, über 100 Skulpturen in der Stadt, Stege, Pfade, Bänke, Grünflächen ja sogar ein Picknikplatz mit Plastikkiste, die Decken und Spiele wie Boccia enthält. Es ist sauber und gepflegt wo man hin schaut. Am Steg liegt alles fest, denn draussen bläst es im Skagerrak mit Bft 6-7 aus SSW. Selbst hier im Fjord immerhin 30 Seemeilen landeinwärts stehen Wellen mit Schaumkronen. Wir entscheiden uns noch einen Tag zu bleiben und die Strecke „In Munchs Fusspuren“ abzulaufen. Edvard Munch lebte von 1913 bis 1916 im Stadtteil Grimsrod auf der Insel Jeloy. In diesen Jahren entstanden viele seiner berühmten Arbeiten. Von Moss fuhr er oft nach Oslo, um die Aula der Osloer Universität auszumalen. Heute ist Grimsrod ein vornehmes Villenviertel. Munchs heitere Landschaftsbilder und Porträts sind mehr nach unserem Geschmack als die düster anmutenden Gemälde wie sein berühmtestes Bild: „Der Schrei“. Wir lernen, dass der Maler bereits im Kindesalter Mutter und Schwester verloren hat. Sicherlich hat dieser Schicksalsschlag ihn geprägt und fand Ausdruck in seiner Malerei.

Wie anders ist Jeloy in Gegensatz zu den schwedischen Schären. Weite Felder mit Landwirtschaft und Mischwald wechseln sich ab. Die leicht hügelige Umgebung hat etwas beruhigendes und versöhnliches. Genau diese Ausstrahlung hat Munch in seinen hier entstandenen Landschaftsbildern eingefangen wie wir finden. Unser Ziel ist die landesweit berühmteste Galerie F15.

Mit Bärenskulptur vor der Galerie F15

Dieses Hochjubeln der Kunstszene können wir bei dem Dargebotenen nicht nachvollziehen, aber Kunst ist ja auch Geschmacksache oder uns fehlt der Kennerblick. Verdrehte Schwanenhälse aus denen etwas herausquillt (hoffentlich nur Styropor) wirken auf uns eher abstossend. Der Rest bekommt das Urteil merkwürdig bis witzig. Dafür erhält das Museumsrestaurant von uns fünf Sterne. Beim leckeren Koldbord geniessen wir die quirlige Atmosphäre und gucken Leute. Kritiker, feine Pinkel, lümmelige Teens, rüstige Rentner und Familien geniessen ihren Sonntagsausflug. Bei Kaffee, Kuchen, Eis, herzhaften Platten uns Suppen wird die Kunst zur Nebensache. Was zählt ist die Geselligkeit. Draussen zieht ein Schauer durch und schnell ist jeder Platz innen besetzt. Es brummt wie in einem Bienenstock. Da entdecke ich die Kunst für mich. Abgeräumtes Geschirr mit vielen bunten Tassen bilden fotogene Stilleben.