Nachdem die Nachtruhe am Samstag durch Diskomusik gestört war, blieb es Sonntag Nacht glücklicherweise ruhig. Dafür werde ich bereits um 5.00 Uhr morgens durch brummende Bugstrahlruder geweckt.

Ich ziehe

den Vorhang auf und die Sonne strahlt gleissend herein. Der Skipper schläft noch tief und ich sage zu ihm: “So nun aber nichts wie auf.” Um 6.15 Uhr laufen wir aus und kaum, dass die mächtigen Steinmolen im Kielwasser liegen, erfasst uns die Strömung. Nach einigen Seemeilen ruppigen Wassers, setzen wir den Spi und laufen bei herrlichem, leichten Wetter nach Schweden. Am Nachmittag tauchen die ersten Felsen auf.

Alles abgerundet durch Gletscher gepresst und glattgeschliffen liegen die Schären wie ein Bollwerk vor der schwedischen Küste und trotzen den anstürmenden Wellen und dem Wind. Von Ferne scheint hier kein Durchkommen, doch die heutige präzise, elektronisch unterstützte Navigation macht es leicht, die Durchfahrt zu finden. Einen hübschen Kontrast zu dem blanken Fels bilden die farbigen Häuschen, die sich meist in Mulden im Windschutz der Inseln und Halbinseln schmiegen. Weiss, fallunrot, aber auch hellgelb und hellblau strahlen sie in der Sonne. Es ist ein heiteres Bild, das pure Freude und Lebenslust vermittelt.

Wie anders mag diese Skagerrak Küste im Winter erscheinen, wenn die Dunkelheit kaum weicht und die Stürme das Meer aufwühlen und über die Küste fegen. Doch jetzt zum Mitsommer ist das alles vergessen. Wir haben Glück, das schwedische Mekka des Segelsports Smögen einen Tag vor Saisoneröffnung zu erleben. Was die Costa Smeralada Sardiniens für das Mittelmeer, das ist Smögen für Schweden. Die Szene trifft sich hier zum Segeln, Feiern, sehen und gesehen werden, aber jetzt können wir noch mit einer Handvoll anderer durchreisender Boote den Steg einnehmen und die pittoreske  Kulisse der teils aus dem 17. Und 18. Jhdt. stammenden Holzhäuser geniessen.

Abgesehen vom Ort Smögen selbst, dass übrigens als Teil einer Inselgruppe zum Bezirk Kungshamn gehört und auch von der Festlandseite über eine Brücke zu erreichen ist, sind die angelegten Rundwege über die Schären mit diversen Aussichtspunkten ein Höhepunkt für Naturliebhaber.

Wir treffen hier unsere Freunde Carmen und Axel, die dieses Jahr eine ähnliche Route wie wir segeln. Nach herzlichem Empfang verwöhnen sie uns am Abend mit leckeren Fischspezialitäten. Der Tisch ist gedeckt, die Pellkartoffeln dampfen und die Speisen munden allen. Bald sind die Gesichter gerötet, ob noch glühend vom sonnigen Tag oder dem Gläschen Wein. Keiner weiss es, aber Gelächter erfüllt die Kabine und wir feiern das Wiedersehen – es wird spät.