„Hast Du die Fähre gesehen?“, frage ich den Skipper. Er dreht sich um, aber antwortet nicht.

Seinem Blick entnehme ich, dass er sich genauso erschrocken hat wie ich. Das schwarze Ungetüm mit der hochgeklappten drohenden Ladeklappe ist zum Glück noch zwei Schiffslängen hinter uns. Wie aus dem Nichts ist sie  aufgetaucht. Haben wir sogar die Motorengeräusche überhört? Kann eigentlich nur daran liegen, dass wir anscheinend beide noch nicht richtig ausgeschlafen sind. Oder weil wir den 13.ten haben, also Donnerstag den 13. Dürfte doch eigentlich keine Rolle spielen. Doch es scheint so. Mit unserem Ableger haben wir schon nicht grade geglänzt. Vorleinen los und nur noch die Luv Achterleine fest merken wir im letzten Moment, dass der Strom noch eingestöpselt ist. Das Kabel spannt sich schon wie ein Flitzbogen. Axel hält uns auf Position und ich klettere runter, um das Kabel auszustöpseln. Aus dem Fenster des örtlichen Seglervereins schauen uns die feixenden Gesichter der alten Männer, die hier ihr Frühstück einnehmen, nach. Beim Stauen der Fender fällt mir auch noch der Backskistendeckel auf das Handgelenk. Schnell den Kühlakku raus. So kann ich den Schaden gut kurieren und es ist halb so schlimm. Draussen auf See sind wir endlich auf Kurs und ich atme durch, als der Skipper schon zum Spi Manöver ruft. Wenigstens geht das glatt. Mit Südwind im Rücken tingeln wir die Küste nordwärts.

Als die weisse Kirche Saebys am Horizont sichtbar wird, hat die „Solgangsbrise“ schon eingesetzt und bläst uns stramm um die Ohren. Der Hafen von Saeby ist zwar gross, doch  ein Platz für unseren Geschmack ohne Seitenwind und in der passenden Grösse dann wieder rar. Schliesslich kommen wir zwischen zwei Motorbooten unter. Das Echolot zeigt 1,1m, aber wir schwimmen noch. Axel freut sich auf seine Joggingrunde, während ich den Ort erkunde. Einige Vorsaisonler, meist im fortgeschrittenen Alter belagern die Eiscafes und geniessen die Sonnenstrahlen im Windschutz. Ich laufe am Flussumfer entlang wo Angler in kleinen „Nussschalen“ ihre Ausrüstung verladen. Ein gepflegter Park folgt, der menschenleer ist. Dafür fahren vier Husquarna Rasenroboter herum. Jeder bearbeitet penibel sein Areal.  Der Fluss wird durch ein kleines Stauwerk geleitet. Am Ufer liegt ein weisses Haus. Davor sitzt eine Frau auf der Bank und häkelt oder strickt. Ponchos, Schals, Hüte in bunten Farben sind ausgebreitet.

Wir kommen ins Gespräch und sie bittet mich herein. Im kompakten Flur hängt und steht ein Sammelsurium aus Krimskrams und Handarbeiten. Das Wohnzimmer ist gleichzeitig Schlafzimmer mit zwei Betten, die tagsüber auch als Sofa dienen, wenn sie denn freigeräumt sind. Über und über sind Decke, Wände, die Betten und jede Nische mit Hüten aus Filz, Stoff und Wolle behangen und belegt. Sie erklärt mir, dass sie früher Krankenschwester gewesen sei. Schliesslich habe sie sich darauf verlegt einige Handarbeitskurse zu belegen. Hüte sind ihr Hobby. „ Wenn mein Freund kommt zum Übernachten, räume ich vorher alles weg, so dass wir die Betten überhaupt nutzen können. Er ist Segler, sein Schiff liegt im Hafen.“ Wir plaudern noch eine Weile bis ich mich verabschiede. Zurück an Bord gibt es Lachs mit Frühkartoffeln, einen Salat garniert mit Algenchips und für den Skipper dazu ein Bier.