Am späten Vormittag verholen wir uns nach Korsör. Der Yachthafen ist zwar gross aber viele Boxen sind mit nur 2,5 Metern Breite zu schmal für uns. Der Tag bleibt bedeckt. Regen ist vorhergesagt und wir ziehen die Kuchenbude auf, verriegeln alles. Dann geht es zur Stadt.

Gespiegelte Boote – Ortsüblicher Bootstyp – lang und schmal, darauf sind die meisten Liegeplätze hier eingerichtet

Durch eine Eingemeindung mit Slagelse gibt es in Korsör kein Krankenhaus, keine eigene Polizei und keine Verwaltung mehr. Dafür ist der ehemalige Fährhafen Hauptstützpunkt der dänischen Kriegsmarine. Ein Teil der Bevölkerung arbeitet für die Instandhaltung der Schiffe. Der Fährbetrieb wurde mit Eröffnung der Grossen Belt Brücke überflüssig. Korsör ist ein altes Garnisonsstädtchen und wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Leerstand einiger Geschäftslokale, eine merkwürdige Mischung aus Trödelläden, Frisören, Tatoostecher und Kneipen prägen die Fussgängerzone.

Im Supermarkt Fotex stocken wir einige Vorräte auf und laufen zurük zum Hafen. Dort wird grade ein gelbes Ungetüm Marke Eigenbau aus dem Wasser gekrant.

Merkwürdiger Eigenbau im Kran

Axels Wunde war gut verheilt, doch beim Verbandwechsel reisst ein Teil der Wunde wieder auf. Nachdem ich alles neu versorgt habe, beschliessen wir einige Tage abzuwarten und dann für einen erneuten Verbandwechsel nach Kalundborg zu segeln, damit im dortigen Krankenhaus mal nachkontrolliert werden kann, ob alles im grünen Bereich ist.

Am Abend beginnt im Hafen das in Dänemark an vielen Orten übliche Vereinsleben. Jollen und Optimisten werden von Kindern und Jugendlichen gewassert. Die Feierabendsegler liefern sich einige Runden Segelvergnügen in Hafennähe. Derweil erfahre ich aus dem umfangreichen Infomaterial, das im Hafenbüro ausliegt, dass am Friedhofseingang von Korsör zwei Granitsäulen aus Ägypten stehen, die 2000 Jahre alt sind. Neben weiteren wenig aufregenden geschichtlichen Ausführungen über den Werdegang der Stadt, fällt mein Blick auf die nur auf dänisch geschriebene Info über das Forsorgshistorik Museum in Slagelse. Das Museum widmet sich der Aufarbeitung der schändlichen Vergangenheit Dänemarks von der Behandlung gesellschaftlicher Randgruppen. Geistig Behinderte, früher als Schwachsinnige bezeichnet, internierte man auf der im Grossen Belt gelegenen Insel Sprogö. Von den elf grossen Anstaltsgebäuden waren auch einige nur für Frauen vorgesehen, die hier zwangssterilisiert wurden. Ziel des Betriebes war die abgeschlossene Verwahrung. Heute haben Menschen mit Behinderungen und Lerndefiziten die gleichen Rechte wie gesunde Menschen, betont der Museumsprospekt.

Nachgestellte Szene des Anstaltsalltags

Am nächsten Tag unterqueren wir die imposante Belt Brücke. Hier sollte der Segler auf die Strömung um die Pfeiler vorbereitet sein und die unbetonnte Ostdurchfahrt zwischen dem 9. Und 10. Pfeiler benutzen, denn bei mangelndem Kartenstudium besteht ansonsten die Gefahr eines der Unterwasserhindernisse zu rammen (Verankerungsblöcke, Flachs).

Sprogö liegt zur Linken. Nun betrachte ich das im Sonnenlicht friedlich grün schimmernde Eiland mit anderen Augen, ob seiner schrecklichen Vergangenheit.