Burgervlotbrug Anleger

Die letzte Nacht hat es ganz schön „gekachelt“. Selbst im Kanal machen sich die Böen bemerkbar. Wir liegen auf Legerwall und der Wind trifft mit voller Wucht auf Astarte Breitseite über die flachen Wiesen hinweg. Die Fender müssen einiges aushalten und zwischen Schiff und  Steg hat sich mittlerweile eine Krautsuppe mit Apfel-/Orangen und Schnapsflaschen Einlage angesammelt. Abgerissene Uferbrocken mit Schilf treiben als kleine Inselchen im Kanal.

Wir entscheiden eine Wetterlücke zu nutzen und verholen nur drei Seemeilen weiter zur Burgervlotbrug. Hier liegen wir alleine direkt an einer Weide mit Schafen und neun grossen Windrädern, die bereits ordentlich drehen und wie ein Sägeblatt singen. Zwar gibt es auch hier keinen Windschutz durch Bäume, aber den Kanal macht einen Knick und der Wind kommt nun von vorne, nachdem wir mit dem Bug nach Süden angelegt haben.

Wir verzurren alles wetterfest, spannen die Kuchenbude auf und machen es uns mit Kaffee und Keksen gemütlich. Das Zusammenbrauen des Wetter über dem Horizont zu beobachten, während man trocken und sicher sitzt, ist angenehm.

Der Windgenerator liefert uns den nötigen Strom für alle Verbraucher wie Notebook, Kühlschrank etc. und lädt unsere Batterien immer wieder komplett auf. So sind wir schon einige Tage völlig autark und geniessen die Ruhe abseits vom Hafentrubel.  Auf dem Kanal ist wenig Schiffsverkehr. Ab und zu ein Binnenschiff oder Motorboot. Wir bleiben alleine am Steg. Plötzlich piepst das Navtex. „Di di dit ta ta ta di di dit.“ Immer wieder diese Tonfolge, die mir sofort klar ist. Ein Notruf SOS! Axel schaut nach und liest die Textmeldung vor: “ Netherland Coastguard Distress Message 251422, UTC Aug 25/08 14:23, sinking in pos 52`24.1“N, 004`24.2“E, 11 pers  on board, need immediate assistance, life boats alerted, search and rescue helicopter alerted, ships in vicinity keep a sharp lookout and report to Den Helder Rescue.“ Auf See herrschen Windgeschwindigkeiten von 35 bis 40 Knoten aus Südwest. Regenwände die schlechte Sicht bringen vereinfachen die Situation nicht. Wir schalten den Seefunk ein und verfolgen die Funksprüche. Der on Scene Coordinator sammelt alle eingehenden Daten und meldet diese an die an der Suche beteiligten und das Coastguard Center in Den Helder. Schiffe werden angerufe, ob sie in der Lage sind Funksignale einzupeilen. Bei dem Havaristen handelt es sich um ein Traditionsschiff aus Dänemark. Dann um 15:11 UTC die erleichternde Meldung über Navtex: „11 picket up bej lifeboat Ijmuiden, several lifeboats on scene“. Wir sind froh, dass die Rettungsaktion erfolgreich verlief und der Crew vor allem so schnell geholfen wurde, denn selbst im Sommer ist die Überlebenschance bei den Wassertemperaturen der Nordsee zeitlich stark begrenzt. Am nächsten Tag wird die Schiffahrt gewarnt: „Svartloga wreck buoys established.“ So hat dieses Schiff sein Ende auf dem Grund der Nordsee gefunden. Eine traurige Meldung, doch das Wichtigste sind die geretteten Menschenleben und das geschieht nicht zuletzt durch den freiwilligen Einsatz anderer Menschen, die sich nicht selten selbst in Gefahr begeben, um anderen zu helfen.