Klimduin Schoorl

Das mittlerweile an Weite gewöhnt Auge stockt. Der Blick blockiert von einer mächtigen Wand aus Sand. Was ist das? Sind wir doch seit Tagen die Ebene mit den wogenden grünen Wiesen, grasenden Kühen und den vielen vielen Windrädern gewöhnt. Eine Düne erhebt sich wie aus dem Nichts. Umrahmt vom Kiefernwald ergiesst sich der gelbe Sand bergab und wirkt wie eine Skipiste.

Wir stehen vor der  51 Meter hohen Klimduin in Schoorl. Die Düne ragt  mitten in den Ortskern.  Während die Eltern ihren Kaffee oder „Pannekoeken“ geniessen, tummeln sich Kinder aller Altersgruppen am steilen Hang. Der Sand scheint eine grosse Anziehungskraft auf die Kleinen zu haben. Es wird gegraben, gesprungen, gestampft und gekugelt. Barfuss und die Haare im Sand baden die Kinder kreischend im weichen, tiefen Sand. Ein 73 km langes Wandernetzwerk und der anspruchsvollste Mountainbikeparcour erschliesst sich am Dünenkamm. Auch wir klimmen hinauf auf die Klimduin, der höchsten Düne der Niederlande. Es ist ganz schön anstrengend. Einsinken, wegrutschen und wieder rausziehen. Oben durchatmen. Der Duft der Kiefern strömt in die Nase. Ein angenehmer Duft. Der Waldboden ist mit herabgefallenen Zapfen und braunen Nadeln über und über bedeckt. Man tritt weich. Nach einiger Zeit des Hinauf- und Hinunters erreichen wir den höchsten Punkt. In der Ferne lässt sich das Blau der Nordsee ausmachen. Die andere Richtung erstreckt sich der Blick über das flache Land Nordhollands, dem ältesten Polder der Niederlande. Dahinter liegt das Ijsselmeer. Eine steile Treppe führt zum Besucherzentrum. Hier erwarten uns ausgestopfte Vögel, viel Literatur, Souvenirs und ein Restaurant. Viel erfahren kann man über das Leben im und auf dem Watt vom Wattwurm über Muscheln und dem Weg der Zugvögel. Über 12 Millionen passieren den zum Weltnaturerbe ernannten Küstenstreifen Wattenmeer von Niederlande ab Breskens bis nach Esbjerg in Dänemark. Fasziniert blättere ich in einem Fotobildband, der einmalige Aufnahmen vom gestrandeten Wal bis zum Wandel des Watts in den Jahreszeiten und bei verschiedenen Wasserständen sowie Wetterbedingungen zeigt. Axel ruft mich ungeduldig: „Lass mal weiter.“ Schoorl ist ansonsten ein netter, kleiner Ferienort. Strandausstattung von Luftmatraze, buntem Strandspielzeug und den wichtigsten Tageszeitungen ist alles da was der Strandurlauber braucht. Nur muss er erstmal einen langen Fussmarsch durch das weite Dünengebiet hinter sich bringen, um selbigen zu erreichen.

Die nächsten Tage erkunden wir die Schoorler Dünen ausgiebig mit dem Rad.  Viele sind mit aller Arten Fahrräder vom Lastenrad bis zum Mountainbike und eBikes unterwegs. Einige Experimentierfreudige haben das Lopifit gemietet. Ein Gefährt mit einem elektrischen Laufband zwischen zwei Rädern mit Lenker und fünf Gängen, das es auf 25km/h bringt. Kiefer- Mischwald, Heidelandschaft und Sanddünen mit Dünengras wechseln sich ab. Wilde Apfelbäume und immer wieder Bäume mit Tollkirsche, Vogelbeeren bringen neben den lilafarbenen Heidekraut  Farbe in die Landschaft. Rietgedeckte Gehöfte werden als Gruppenunterkünfte angepriesen mit Programmen wie Yoga, kreativen Workshops wie Blumenbinden, (das) Arbeiten mit Papier, Stempeln oder Tinte.  Geistig Behinderte finden in der weiterläufigen Anlage Scorlewald eine Heimat und Arbeitsstätte. Die Stiftung Scorlewald hat zusammen mit dem Produktentwickler Roland Pieter Smit eine moderne Serie von Produkten aus Porzellan, Ton bzw. Leder entworfen, die von den in Scorlewald lebenden Menschen gefertigt werden. Vornehme Anwesen und Villen schmiegen sich mit ausgedehnten Grundstücken an die landseitige Flanke des Dünenhauptkammes. Wir radeln durch schattiges Waldgebiet nach Bergen und später durch die Dünen nach Bergen an Zee.

Hier pfeifft der Wind ordentlich. Der Sand wird hochgewirbelt. Nach einer Stärkung geht es über Camperduin dem Tummelplatz der Kiter und Surfer zurück zum Kanal an dem Astarte auf uns wartet. Am Steg, dem sogenannten Recreatieplatz mit erlaubten max 3x24h Verweildauer allerdings ohne Landstrom (der Windgenerator leistet hier gute Dienste) und Wasser, aber dafür kostenlos, ist für die nächsten zwei Tage eine kleine Community entstanden.

Wasserwanderplatz bei Schoorlerdambrug

Schon bei unserer Ankunft nahmen die Bootsnachbarn aus den vornehmlich ca 9 m langen Stahlmotorbooten unser Leinen an. Astartes Anblick ist hier eher etwas Besonderes. Abwehren mussten wir allersdings die immer wieder angesetzten Versuche der fachsimpelnden Herren und selbsternannten Freizeitkapitäne wie Astarte hier bestmöglich zu vertäuen sei. Sie diskutieren noch eine Weile, man solle doch eine zusätzliche Leine unter dem Holzsteg durchzuziehen und dann stramm setzen. Das ist vielleicht für einen Stahlpott die richtige Methode, doch für uns eher ungeeignet bei Wasserstandsänderungen oder plötzlichem Schwell durch die Berufsschiffahrt. Was sollen wir uns an den Steg ran klemmen wo auch unsere Rumpfform offensichtlich rund ist und nicht kastig wie die unserer Wassersportfreunde. Unsere Nachbarschaft scheint hier schon länger ihr Lager aufgeschlagen zu haben. Campingstühle an Land nebst Grill und die Räder für Einkäufe ebenso wiesen darauf hin. Im niederländischen Binnenrevier sind diese Übernachtungsplätze weit verbreitet. Konnten wir nicht alle Häfen aufgrund des dort zu geringen Wasserstandes anlaufen, so gab es an den Festmachern direkt am Kanalufer stets genügend Wassertiefe. Generell ist der Nordhollandkanal für Schiffe mit einem Tiefgang von 2,85 Metern zugelassen und Teil der „ Stande Mast Route“.  Die Kanaltiefe ist im Mittel mit 3,5 Metern angegeben. Alle Brücken öffnen bis auf Eisenbahnbrücken bei Bedarf und sind ferngesteuert. Die Eisenbahnbrücken haben feste Öffnungszeiten meist 2x pro Stunde. Die Taktung mit den Zügen hat uns immer wieder fasziniert wie genau auf die Minute der Zeitplan funktioniert. Selbst durch Alkmaar haben wie in einer Stunde zehn Brücken passiert. Bei widrigen Wetterverhältnissen auf der Nordsee ist diese Route eine Alternative zumal es viel zu sehen gibt.

nein, dass ist nicht Axel