Bierkade Alkmaar

Wer hat nicht schon einmal den Namen dieser Stadt gehört in Verbindung mit dem berühmten Käsemarkt. Heute wird der einstige Versteigerungshandel als Touristenspektakel jeden Freitag um 13.00 Uhr vermarktet. Wir sind nicht scharf darauf in diesen Troubel zu geraten und sind froh, dass es grade nicht Freitag ist, als wir Alkmaar besuchen.

Trotzdem ist die Stadt auch so überflutet von Touristen. Wir hören auf die Restaurants und Cafes zu zählen, die natürlich nahezu alle voll ausgelastet sind. Ob gut bürgerlich in der ehemaligen Klosteranlage, thailändisch im Kantorhaus oder das Cafe auf dem Hausboot oder sogar in der Kirche, es ist für jeden etwas dabei.

Uns interessiert der Hafen, denn Alkmaar liegt auf der weiteren Strecke. Doch nach dem Sichten der Grachten mit Kais für Boote bis 1,40 Tiefgang oder der voll belegten Bierkade am Kanalrand direkt an der lauten Durchgangsstrasse entscheiden wir in Akersloot zu bleiben und Alkmaar mit dem Rad zu besuchen.

Per Fähre geht es über den Nordhollandkanal auf die andere Uferseite und immer am Deich entlang. Gehöfte liegen geduckt hinter dem Deich. Pferde grasen auf den grünen Weideflächen. Bald wir es städtischer.

 

Die Stadt ist ein einziges Freilichtmuseum. Aufwendige Fassaden, eine schöner als die andere reihen sich aneinander. Originelle Boutiqen, phantasievoll dekoriert haben ein ausgefallenes Angebot. Ob spezialisiertes Schuhgeschäft auf Grössen ab 50 oder die kleine Ledermanufaktur bis zur Saftbar mit grosser Gemüsetheke lässt sich viel entdecken.  Nicht zu vergessen das angeblich grösste Beatles Museum weltweit. Fasziniert sind wir von dem Projekt „Klim naar de hemel“ Alkmaars grösster Kirche, der Grote Sint Laurenskerk. Ein Gerüst ist an der Aussenfassade und am steilen Dach der von 1570 bis 1520 in einer für die damalige Zeit erstaunlich kurzen Bauzeit erstellte Kirche, montiert. Besucher können das Dach, den Glockenturm und sogar die hohe innere Kirchenkuppel erreichen. Damit sind sie der aufwendig bemalten Holzdecke ganz nah.

Überhaupt werden viele Kirchen in den Niederlanden einer neuen innovativen Raumnutzung zugeführt. Wir lernen beim Rundgang, dass grosse Kirchen in Breda, Gouda und vielen weiteren Städten als Hotel, Bierbrauerei, Bücherei, Veranstaltungszentrum, Gesundheitszentrum oder Büroflächen genutzt werden. Mit durchdringendem Blick schaut das Konterfei Graf Floris des V von der Wand herab.

Graf Floris V

Der Graf wurde 1296 ermordet und sein Leichman im Alkmaar aufgebahrt. Begraben wurde er schliesslich in Rijnsburg. Doch die Einwohner behielten seine Eingeweide, die in seinem Sarkophag hier liegen sollen. Von Hochgestellten war seinerzeit üblich die Eingeweide getrennt vom Rest zu verwahren, erfahre ich hier. Genug von den pikanten Details.

 

Wir verlassen Sint Laurens und brauchen nur erstmal eine Stärkung. Die finden wir schnell in einem hübschen kleinen Eetplats. Die aufgetischten Brote mit Tomatenhumus und reichlich Gemüsetopping munden hervorragend. Da sind Floris Gebeine schnell vergessen. Auf dem Rückweg zu unserem Rädern entdecken wir noch das Katzencafe. Hier können Herrchen oder Frauchen einkehren und ihren Vierbeiner in eine gemütliche Katzenmulde ins Fenster legen.

Durch die  Vorortsiedlungen, Felder vorbei an einer der letzten aktiven Getreidemühlen, deren Windfügel sich mit beängstigender Geschwindigkeit im Wind drehen, geht es zurück zum Hafen in Akersloot.