Schiffsverkehr auf dem Ij

Woa müsse ma jez loang fahre“? Eine von vier Mädels, stellt ihrer Skipperin die Frage. Die Gruppe hat sich ein Locaboat gemietet. Flussboote, die man ohne Führerschein fahren kann und die für die anderen Bootsfahrer unschwer an der Vielzahl von mit Ketten befestigten Fendern und zig Gummipuffern an allen Ecken und Kanten zu erkennen sind.

Die Frauen versuchen das enge Hafenbecken zu verlassen. Beim Ableger sind zwei mit Schrubbern als Enterhakenersatz bewaffnet und drücken damit ab was sie zu fassen bekommen. Die Steuermännin „rührt“ an der Gangschaltung. Es geht vor – zurück, vor – zurück. Wildes kurbeln. So wird das nichts, der Bug kommt nicht rum. Dann der rettende Einsatz eines mitleidigen Holländers im Schlauchboot. Er drückt die Barge mit der Motorkraft seines Schlauchbootes herum. Bald entschwinden die Damen auf das viel befahrene Ij. Aufatmen bei den Nachbarliegern. Dann sind wir dran. Verholen, weil unser Innenlieger ablegen möchte, wir aber erst später fahren, da wir noch zu Supermarkt einkaufen gehen. Die Lücke in die wir rangieren müssen ist eng, aber bald liegen wie wieder fest. Nachdem wir uns ausgiebig verproviantiert haben, bis die Kühlboxdeckel kaum noch zu gehen, werfen wir die Leinen los und scheren ein in eine Kette von Motor- und Segelbooten die wie aufgereiht aussen vorbeifahren. Wir kommen uns vor wie auf einer Autobahn. Wieder zwei Kreuzfahrtschiffe im Hafen und ich zähle neun Flusskreuzfahrer.

Tief beladene Binnenschiffe bahnen sich Ihren Weg mit schneller Fahrt. Schlepper ziehen grade einen Kreuzfahrer vom Kai, Fähren kreuzen. Nicht zuletzt der Verkehr in der Luft. Während unseres Aufenthaltes fliegt alle zwei Minuten ein Flugzeug über unsere Köpfe hinweg. Vorbei an Bohrinsel, Yachthafen, Frachtern, Raffinerie und alten Lagerhäusern biegen wir endlich vom Ij ab in die Zaan.

Per Fernbedienung gehen die Brücken auf, wenn die Verkehrszentrale uns über eine Kamera auf den Bildschirm bekommt. Welch ein Aufwand nur für uns.

Bei sonnigem mildem Wetter geniessen wir die beschauliche Fahrt durch Zaandam. Die Ufer ziehen vorbei, die Menschen winken.Fahrt verringern, herantuckern, Leerlauf, Maschine zurück, Position halten, Fahrt wieder aufnehmen. Wir haben die Brücken nicht gezählt, die wir durchfahren haben, als wir am Abend an einem Übernachtungsplatz für Sportboote festmachen.

Rastplatz am Eetcafe

Ein Eetcafe hat seine Terrasse bis zum Anleger ausgeweitet, so dass die Gäste der äussersten Tischreihe  mit ihrem ausgestreckten Arm unser Reling erreichen könnten. Wir sind in Wormerveer. Die Gegend ist stark geprägt von Produktionsbetrieb und Gewerbe.

Die Wohnviertel geduckter Reihenhäuschen sind durchzogen von Kanälen. Kleinste Gartenparzellen liegen am Wasser. Am Ufer der obligatorische Kahn.