Durch die Zandkreekschleuse geht es auf die Oosterschelde, dem grössten Nationalpark der Niederlande. Ferienzeit und Wochenende, also herrscht beim Nadelöhr Schleuse Hochbetrieb. Gute Nerven und viele Fender sind angebracht, um hier heil durch zu kommen. Wer nicht drauf hält, der kommt nicht mehr in die Schleusenkammer.

Drängeln ist die Devise. Nach einer knappen Stunde ist auch dieses Spektakel über die Bühne und mit 19 anderen Booten werden wir auf der anderen Seite ausgespuckt. Im schmalen Zandkreek heisst es sich dann gegen die Gegenfahrer behaupten, die alle gleichzeitig loswerfen und mit Volldampf auf die Schleuse und damit die Ausfahrer zuhalten. Nach dem Zufahrtskanal Zandkreek verteilt sich der Verkehr zum Glück und das grüne Wasser der Oosterschelde plätschert gegen den Rumpf. Es macht einen sauberen Eindruck. Ist es doch Aufzuchtbecken für Miesmuscheln, Austern, Krebse und Hummer, den „Schelpdieren“.  Schon bald taucht prustend ein Schweinswal auf.

Der einstige Meeresarm mit seiner Grösse von 37.000 Hektar steht noch immer unter dem Einfluss von Ebbe und Flut. Bei Niedrigwasser fallen die Sandbänke trocken und die Reusen, die an Pfählen befestigt sind, ragen über den Meeresspiegel hinaus. Mit dem Sturmflutwehr zur Nordsee abgeschirmt aber nicht abgedichtet, strömen zweimal täglich ca 800 Milliarden Liter Salzwasser hinein in das Gebiet und wieder heraus. Ein vielfältiger Lebensraum im Wechsel der Jahreszeiten für Vögel, Pflanzen und eine einzigartige Unterwasserwelt mit Schweinswalen, Seehunden, Seepferdchen, Sepien. Nacktschnecken, Plattfischen und Anemonen. Es gibt sogar eine Korallenart, die Tote Meerhand.

Das Osterscheldegebiet gilt als Europas grösster Exporteur für Miesmuscheln. Wir steuern nach Yerseke, Fischereihafen und Mekka der Austernzüchter.Das Wasser der Oosterschelde ist sehr salzig. Auf einen Liter Wasser kommen zwei Esslöffel Salz, Damit ist die Oosterschelde salziger als die Nordsee. Dies gibt den Meeresfrüchten ihren einzigartigen Geschmack.

Yachthafen Yerseke

Hinter einer scharfen Kurve liegt die Hafeneinfahrt. Die Zufahrt ist schmal. Im Becken ein Mix aus Muschelfischkuttern, Barkassen, Sportbooten und schwimmden Kindern mit aufblasbaren Schwimmtieren. Per Funk lassen wir uns einen Platz zuweisen. Durch enge Spaliere erreichen wir den allerdings belegten Platz. Also erneut funken und Kreise drehen. Der Hafenmeister braucht eine gute Viertelstunde, um einen neuen Platz zu finden. Wir sind schon durchgeschwitzt, die Sonne brennt. Im bei Ebbe tiefliegenden Becken steht die Luft. Dann endlich der neue Platz. Noch schwieriger anzufahren. Neben einer Hallberg Rassy manövrieren wir uns passgenau ein. Fender passen nur noch auf der Stegseite rein, da der Platz eigentlich zu eng ist. Die Hitze schlaucht und so bleiben wir und tun es den anderen gleich, direkt über die Heckleiter ins Wasser. Die Abkühlung nützt nur für wenige Minuten. Trotz der Hitze drehen wir eine Runde um den Hafen, bestaunen die blitzsauberen Muschelfischereifahrzeuge und die Austerzuchtbecken.

Herrlich duftet es aus den darüber liegenden Probierstuben, die alle gut besucht sind. Ständig werden voll beladene Teller mit Miesmuscheln und Austern auf die Terassen getragen. Man sitzt förmlich firekt über den Austerbecken.  Gerne wollen wir dort am Abend, wenn es kühler ist dinieren. Aber das soll sich leider nicht ergeben, denn um Punkt sechs Uhr als wir noch auf unserem Erkundungsrundgang sind, schliesst schon alles. Also zurück zur Bordküche und den Abend im Cockpit unter diversen Sonnensegeln ausklingen lassen.