Ansteuerung von Dunkerque liegt hinter uns

Mit nordsetzender Strömung geht es bei einem Hauch von Wind Richtung Norden. Die Segel schlackern, also muss der Motor ran. Das Spiel setzt sich noch einige Male fort. An aus, an aus. Bei solch leichten Bedingungen haben wir den Pass de Zydcote noch nie befahren. Das ist auch mal angenehm. Belgien ist nicht weit.

Wir sehen bereits die endlosen Bauklötze der Ferienburgen, die fast die gesamte belgische Nordseeküste verzieren oder sollte man besser sagen verunstalten. Parallel läuft ein Engländer und tut es uns schnell gleich. Er setzt den schwarzen Kegel. Eine vorgeschriebene Markierung, die allen Verkehrsteilnehmern anzeigt, dass eine Segelyacht trotz gesetzter Segel unter Maschine läuft.

Meist wird der Kegel aus Nachlässigkeit nicht gesetzt, doch die belgische Küstenwache ist dafür berühmt, dass sie Wert auf den Kegel legt (auch hier muss das Bußgeldsäckel gefüllt werden). Also hoch mit dem Dreieck, sonst kann es teuer werden. Nach gemütlicher kurzer Fahrt nähern wir uns Nieuwpoort wo die Wochenendsegelei in vollem Gange ist. Segler jeglicher Grösse strömen aus dem langen Kanal der die Yachthäfen mit der offenen See verbindet. Mit ca. 2.000 Liegeplätzen zählt dieser Standort zu einer der grössten Yachthäfen an diesem Küstenstrich.

Wir melden uns per Funk beim Hafenmeister der Watersportvereniging.  Bald fahren wir den zugewiesenen Platz an und sind dankbar für die Hilfe eines Stegnachbarn, denn merkwürdigerweise hat der Platz zwei Ausleger, die das Schiff förmlich in die Zange nehmen. Grade eben passen wir zwischen die Stege, deren Enden mit unbeschliffenem Stahl wenig geeignet sind, um einen Polyesterrumpf zu streifen. Leinen brauchen wir eigentlich nicht in dieser Keilschere. Hier geht es auch nur wieder bei wenig Wind raus, sonst gibt es Bruch. Daran verschwenden wir erstmal keinen Gedanken. Bald sind die Räder aufgebaut und wir radeln Richtung Nieuwpoort Bad am Kanal entlang.

Auf der Promenade von Nieuwpoort Bad

Hier hat sich viel getan in den letzten 5 Jahren. Eine immense Bautätigkeit lässt überall Appartmentanlagen hochschiessen. Jede letzt Lücke ist mit Baukränen besetzt. Der Ferienbetrieb läuft auf Hochtouren. Zwischen die Urlauber schieben sich Gruppen fussballbegeisterter Fans, die phantasievoll geschminkt und kostümiert sind. Bald ist kein Durchkommen mehr. Die feucht fröhliche Stimmung nähert sich in einer public viewing Halle dem Höhepunkt. Nachdem wir einige Schiffsausrüster durchstöbert haben, geht es zurück an Bord. Wir wundern uns über die auf den Stegen aufgebauten Tische bestückt mit Häppchen und Sektkühlern. Zufällig lese ich in einer Broschüre, dass heute ein Stegfest im Hafen gefeiert wird. Am Abend winkt man uns herüber. Eine nette Geste der heimischen Seglergemeinschaft. Doch wir sind noch mit Aufklaren und Kochen beschäftigt. Bereits morgen geht es weiter, denn wie wollen in dieser merkwürdigen Scheren-Konstruktion nicht auf Starkwind warten.