Heute haben wir einen Ausflug mit dem Ausflugsdampfer zur vorgelagerten Festungsinsel Suomenlinna geplant.
Suomenlinna ist eine der grössten Seefestungen der Welt und wird auf der Unesco Liste des Weltkulturerbes geführt. Besucht wird die Insel jährlich von mehr als 800.000 Besuchern.
Das haben auch wir bemerkt nachdem wir nach einem gut halbstündigen Fussmarsch zum Marktplatz den Anleger des Fährdienstes zur Festungsinsel erreichten. In der Hitze hatte sich bereits eine lange Menschenschlange gebildet. Wir rechneten aus, dass wir vermutlich erst mit der dritten oder vierten Ladung an Bord kommen würden. Geschätzt standen schon 200 Personen an. Das Gedränge, der Tumult bei dem warmen Sommerwetter liess uns schnell die Pläne über den Haufen werfen.

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Stattdessen schlenderten wir Richtung Helsinki Dom. Wir wussten hier ist die Fülle auch nicht besser, aber einen Blick wollen wir riskieren.
Auf dem grossen Domvorplatz befindet sich ein Brunnen mit Säule und Adler. Ebenso wie die Adlersäule am Marktplatz ist sie das Symbol des russischen Zaren Alexanders des I. Historiker behaupten, dass der deutsche Bundesadler hier sein Vorbild hatte.
Der grosse Senatsplatz ist umsäumt von Klassizistischen Bauten, die alle vom Berliner Archiktekten Carl Ludvig Engel entworfen wurden wie auch der Dom selbst.
Eine imposante Treppe mit vielen Stufen und ohne Geländer führt zu dem imposanten schneeweiss im Sonnenlicht strahlenden Säulenbau.
Wie gerne hätten wir den Platz und die Treppe leer vorgefunden für gute Fotos, doch so müssen wir uns um Ausschnitte bemühen wo mal nicht Reisebusse und Menschentrauben die Sicht versperren. Die Stufen sitzen so voll von erschöpften Touristen, dass wir uns den Weg im Zickzack bahnen müssen.
Im starken Kontrast dazu das Innere des Doms. Die Schilder vor den Eingängen “Silence” scheinen ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Tatsächlich umfängt einen Stille, sobald man durch die Tür getreten ist. Glücklicherweise wenige Menschen bewegen sich im Inneren.
Die Atmosphäre ist beeindruckend. Im Gegensatz zu der fast mit Ikonen, Kerzen. Bildern und Gold überfrachteten Uspenski Kathedrale, erscheint hier alles puristisch und zurückhaltend. Ein Deckengemälde, ansonsten weisse Wände und Säulen, Schlichtheit die besonders drei grosse Statuen im Kreis der grossen Rotunde wirken lässt. Die Figuren sind Melanchton, Agricola und Luther. Eine nahezu spürbare Intensität geht von den leblosen Figuren aus. Man könnte meinen ihre Blicke kreuzen sich und bilden eine magische Triangel im Raum. Der kalte Stein scheint lebendig zu werden. Es liegt eine Erhabenheit und unwirkliche Sphäre in der Luft, die auch die anderen Besucher zu spüren scheinen. Eingeschüchtert von der besonderen Stimmung vergessen die meisten sogar das Fotografieren.
Wir verlassen die angenehme Kühle und steigen die Stufen wieder herab. Schauen noch am Hintereingang in die Krypta herein. Es ist sehr dunkel und erst spät erkennen wir in einer Ecke ein kleines Cafe. Ein eigentümlicher Ort einen Kaffee zu trinken.
Die Hitze ist drückend und im Schatten der Häuserfluchten geht es vorbei an palastartig wirkenden grossen Villen mit gepflegten Gärten Richtung Nordhafen. Hier liegt als einziger Gastlieger eine deutsche Hallberg Rassy. Wir laufen immer am Wasser entlang. Helsinki besitzt 100 km Küstenlinie und 300 Inseln liegen im Stadtgebiet.
Die Touristen haben wir lange hinter uns gelassen. Ein Kohlekraftwerk mit seinen Schloten und Strassentrassen auf Pfeilern sowie etliche Bürogebäude zeigen auch hier gibt es den Alltag für die Menschen. Die Gebäude haben einen schmutzigen Belag. Alles ist icht mehr so herausgeputzt. Wir nähern uns dem Viertel Hakaniemi. Auch hier gibt es eine Markthalle mit einem ordentlichen Warenangebot zu vernünftigen Preisen.
Fisch ist meist geräuchert. Irgendwie finden wir nichts brauchbares und landen schliesslich bei Mc Donalds. Unsere Burger brauchen eine Weile und der Service entschuldigt sich mit einem Gratis Softeis. So erschöpft wie wir sind, gibt es von uns keine Gegenwehr und wir denken wenn schon ungesund dann richtig. Das Eis landet auch noch in unseren Mägen.
Mit neuer Kraft nach der Pause geht es weiter Richtung Norden. Laut Prospekt wäre das Viertel Kallio ein international bekanntes Hipster Viertel mit urbanem Flair. Weiter wird versprochen: In Kallio gehört Recycling und ökologisches Denken zum guten Ton. Davon zeugen zahlreichen Vintage- und Ökoläden sowie vegetarische Restaurants.
Erwartungsvoll geht es an einem Unigelände vorbei mit dem Stadtplan in der Hand und die Strassennamen absuchend.
Irgendwie haben wir unser Ziel verfehlt oder es ist eben doch nicht alles so hip.
Triste Wohnblocks wie sie in Deutschland in den 50er und 60er Jahren üblich waren säumen die Strassen. Die Gegend wirkt zunächst ausgestorben. Hier und da einzelne älter Passanten, die einen ärmlichen Eindruck machen.
In der Ferne sehen wir den Vergnügungspark Linnanmäki mit seiner Achterbahn und Fahrgeschäften. Eine breitere Strasse verspricht mehr Leben. Schnell merken wir, hier sind wir im wahren Leben gelandet. Eine Kneipe reiht sich an die andere. Auf dem Bürgersteig haben diese Bars eine Art Vorterasse aufgebaut. Gestalten, denen man nicht im dunkeln begegnen möchte bevölkern die Plätze und wirken mehr oder weniger zugedröhnt.
Man sieht den meisten das Leben von der Hand in den Mund an und dass sie ihre tägliche Lebensfreude oder was davon übrig geblieben ist im Alkohol finden. Wir drücken uns vorbei an den Tischen von denen lautes Gegrölle hallt und marschieren schnellen Schrittes, um keine grössere Aufmerksamkeit als nötig zu erregen. Das sind also die Suburbs.
Wie kommen wir hier am besten schnell weg?
Mit der U-Bahn. Vorher entdecken wir einen Lidl und wollen noch einkaufen. Im Geschäft ist es über voll und es riecht nicht, nein es stinkt erbärmlich nach Schweiss.
Gut, dass alles verpackt und eingeschweisst ist. Appetit kommt hier nicht auf.
Wir eilen zur Kasse und müssen noch in der Warteschlange ausharren. Draussen an der Luft dann erstmal aufatmen. Regen setzt ein und wir sehen zu in dem nächsten U-Bahn Eingang zu verschwinden. Das hat man also davon, wenn man sich aus dem touristischen Zentrum herauswagt.
Kampii ist der Hauptumsteigepunkt für Busse und Bahnen. Mittlerweile ist es rush hour und es ist nicht leicht sich in dem Getümmel zurecht zu finden. Ein freundliches Mädchen begleitet uns zur Bushaltestelle, die wir auf Anhieb nicht selber gefunden hatten.
Erschöpft und völlig durchnässt sitzen wir im Bus und sind froh bald am Yachthafen zu sein.

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