Auch die nächsten Tage sind von Frontendurchzügen und unbeständigem Wetter geprägt. British Metoffice Forecast meldet: thunderstorms.

 

Gillingham am River Medway kannte ich bereits aus Immobilienofferten im Internet. Dort wurden exklusive Penthäuser und Appartments mit Blick über den Fluss und die Marina mit ihrem martitimem Flair angeboten. Die Fotos und Texte stellten die Gegend beschönigter dar, als wie wir sie jetzt erlebten. Sicher gibt es hier moderne Wohnkomplexe in gepflegten Grünanlagen, doch bei weitem nicht so weitläufig und exklusiv wie in den Angeboten. Die Marina selbst besteht aus einem Wetdock in dem wir liegen und einem Tidal Bassin.

Alles in allem ist die Anlage stark in die Jahre gekommen. Die Rezeption befindet sich in einem Gebäude aus den 70er Jahren, Toilettenanlagen sind mittelmässig gepflegt, die Holzpoller teils marode und das Wasser im Hafenbecken enthält mehr Öl/Benzin und Algenschleim als alles andere. Schräg gegenüber von uns liegt der gleiche Schiffstyp in grösserer Ausführung mit 52 Fuss. Interessiert nehmen wir das Schiff in Augenschein. Bei unserem ersten Rundgang entdecken wir aufgebockt an Land auf dem Werftgelände auch die CARIAD.  Es ist das Boot englischer Freunde, die aus Altersgründen den Segelsport aufgegeben haben. Gerne denken wir an die schöne Zeit zurück, die wir vor Jahren mit ihnen in Frankreich verbracht haben. Im Marinaoffice melde ich uns an. Hier ist die Pace heruntergefahren. Eile mit Weile ist das Stichwort. Die bürokratische Abwicklung unserer Liegeplatzgebühr zieht sich dann auch über zwei bis drei Tage hin und es sind drei Mitarbeiter involviert. Obwohl wir THE VISITOR sind wie man mich am Folgetag anspricht. Es scheint sich kein anderer Gast hierher verirrt zu haben. Wir verbringen die Hafentage mit Sport und dem Aufstocken unserer Vorräte. In Gillingham sind wir in der Realität angekommen. Hier zeigt sich das eher untere Ende der Einkommensskala der arbeitenden Bevölkerung. Ein Mix aus viele ethnischen Gruppen verwandelt die Highstreet in einen Melting Pot der Nationalitäten. Triste heruntergekommene kleine Häuser reihen sich in den Wohnstrassen aneinander. Hier  legt man keinen Wert auf einen gepflegten Vorgarten oder kann ihn sich nicht leisten. Vielmehr zählt überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.

Aus einem Umzugswagen werden Möbel in einen Hauseingang geschleppt. Das Zeug was hier als Einrichtung dient würde bei uns eher auf dem Sperrmüll landen. Da wirkt das Gelände der in die Jahre gekommenen Marina noch wie eine Oase. Mütter mit Kleinkindern hasten an der dicht am Ort verlaufenden Schnellstrasse entlang. Die Autoabgase verdichten die schwüle Luft und reizen die Atemwege. Hier wird man nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, das steht fest.

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