Colchester Castle Park

Per Zug geht es nach Colchester. Es ist heiss und schwül. Ich bin froh die vorbeiziehende grüne leicht hügelige Landschaft aus dem klimatisierten Zug zu geniessen und nicht per Rad dem intensiven Pollenflug ausgesetzt zu sein. Alleine schon das Warten an der Bushaltestelle führte zum unangenehmen Augenjucken. Die beleibte farbige Dame im Nachbarabteil widmet sich ihrem Handy. Ich bewundere ihr selbstgeschneidertes Kleid aus dunkelblauem Spitzenstoff, der an den Rändern mit langen Fransen versehen ist, die über ihre Knie und Oberarme gleiten. Das kunstvoll geknüpfte Kopftuch aus dem gleichen Stoff endet in einem grossen Knoten am Hinterkopf. Der Schaffner kontrolliert die digitalen Billetts und scannt das Handy ab. „Colchester Town Station“ schallt es aus dem Lautsprecher. “This train ends here, please take all your belongings with you.“ Wir steigen aus und erblicken auch schon eine Ruine und eine alte Kirche. Colchester soll GBs älteste Stadt sein. Die Römer gründeten sie als Camulodunum. Während des Aufstandes der Königin Boudica gegen die römische Herrschaft wurde der Tempel des Claudius niedergebrannt. Der Tourismusprospekt informiert: verrottete Römer, freche Normannen und siegreiche Victorianer. Wir führen Sie durch die Epochen. Die schweisstreibenden Suche

nach den römischen Überresten bleibt ergebnislos. Dann eben nicht, wir wenden uns zurück und lassen und stürzen uns lieber ins Getümmel des samstäglichen Shopping. Das längste römische Amphitheater des römischen Reiches mit 475 Metern länge und Plätzen für an die 8000 Zuschauer bleibt Imagination. Tymperleys (14 Jhd.) hingegen strahlt uns in der Sonne entgegen. Es ist das Haus William Gilberds, der hier 1544 geboren wurde. Als Arzt von Elisabeth I und James I publizierte er im Jahr 1600 das erste wissenschaftliche Buch Englands über seine Versuche den Magnetismus zu erforschen. Daher erhielt Gilbert auch den Beinamen „de Magnete“. Das hübsche alte Städtchen Colchester wirkt gepflegter und aufgeräumter als Ipswich.

Wir amüsieren und über die unzähligen Barber Shops  (Frisöre) wo die Lads, Chaps, Blokes und Gentlemens ihre Rasur oder den aktuellen Undercut Haarschnitt verpasst bekommen. Die meist von türkischer Hand geführten Läden zirkeln ihren Kunden gekonnt mit Pinzetten und Schere auch noch das letzte Barthaar in die richtige Länge und Richtung. Die Wartebänke sind voll. Das Publikum bunt. Wir durchstreifen einen Laden, der sein Schwerpunktsortiment auf deutsche Steiff Teddybären gelegt hat. Besonders stolz ist die Ladeninhaberin auf die Replik Serie Steiff aus dem Jahr 1948. Hungrig geworden veranstalten wir ein Bank Picnic mit frischem Salat und Hähnchen von Marks & Spencer. Unseren Colchester Ausflug beschliessen wir mit einem Besuch des Schlossparks.