Ich versuche am frühen Morgen mein Glück und frage im Marina Office nach, ob wir nocht doch verlängern können. Vielleicht hat ja jemand abgesagt. „No, sorry“, ist die Antwort. Schnell haste ich zurück, denn Axel wollte zum joggen. Grade erwische ich ihn noch. Der Wetterbericht sagt voraus, dass es bald recht ungemütlich wird. Wir entscheiden daher zügig zu verholen. Nach dem Ausschleusen aus Ipswich Dock umhüllt uns der Dunst. Es ist drückend schwül. Die vorherrschende Farbe Grau kennen wir ja schon. Es sind nur 2-3 Seemeilen bis zur nächsten Marina, die für unseren Tiefgang geeignet ist.

Im schmalen Fahrwasser funke ich den Hafen an: keine Antwort. Ein zweiter Versuch, immer noch nichts. Der Äther bleibt still während wir uns schon einem undurchdringlich wirkenden Mastenwald nähern. Die bauchigen Rümpfe der anderen Schiffe kommen uns bereits gefährlich nahe. Per Telefon werden wir schliesslich vom Harbourmaster im Zickzack durch das unorthodoxe Gewirr von Stegen, Moorings und Booten dirigiert. Es wird immer enger, wo soll da denn noch Platz sein für uns. „ After passing the yacht with the grey hull you turn sharp to port.“ Ja wo ist den jetzt diese Yacht, fragen wir uns? “ I see you coming, go on, go on.” Dann sehe ich den Hafenmeister auf dem Seitensteg einer einzigen Lücke stehen. Axel manövriert uns passgenau hinein. Unsere Leinen werden angenommen und ein Segler mit Tillyhat begrüsst uns emphatisch: „ You are my new neighbours“. Links und rechts von uns liegen stark heruntergekommene alte Oyster Segelboote. Der Blumenkasten allerdings ohne Blumen nur mit Erde, alte Planen und herumliegende Handtücher über vermutlich undichten Fenstern ausgebreitet sowie der die Schiffe überziehende Grünspann deuten daraufhin, dass es Wohnhöhlen sind, die wohl schon länger nicht mehr zu ihrem eigentlichen Zweck eines Fortbewegungsmittels genutzt wurden. Axel verschwindet zum Joggen. Ich klare auf und trotz der Schwüle gehen die Luken bald wieder zu als das grosse Motorboot der Marke Broom mit einem älteren Ehepaar als Besatzung seine Maschine startet. Mittlerweile ist der dunstige Himmel noch weiter zugezogen. Sie Sonne scheint milchig durch die Nebelschwaden. Hinzu kommt nun der beissende blauweisse Abgasdampf der Broom. Fast eine halbe Stunde läuft der Motor bevor das Ablegen von statten geht. Wir liegen glücklicherweise in Luv. Trotzdem ist die Luft zum Durchschneiden. Ich bedauere die Segler in Lee, die bereits komplett in der Abgaswolke verschwinden und husten. Als ich den ersten Fuss an Land setzte, lande ich in einem Gewirr von Gerümpel, Abfallcontainern, alten Fässern, Farbtöpfen, Werkhallen, Gabelstapler, Trecker, Arbeiter, in Blaumännern oder weissen Papieranzügen mit Gesichtsmasken. Es wird geschliffen, gestrichen und gewerkelt. Vorbei an einer Gruppe Arbeiter, die ihr Pausenbrot mit schwieligen Händen und viel schwarzem Dreck unter den Fingernägeln geniessen, erreiche ich einen kleinen grauen Container. Das Hafenoffice ist stark in die Jahre gekommen und seid den sechziger Jahren hat sich hier garantiert nichts mehr verändert, das zeigen die Möbel. Überall Staub, Dreck, Unordnung, verblichene Werbeplakate, Fotos. Knapp fertigt der Hafenmeister den Zahlvorgang ab.

Die Fox Marina Ipswich ist offizieller Oysterstützpunkt und Auslieferungswerft. Bei einem Erkundungsrundgang bewundert wir die nagelneuen riesigen luxuriösen Yachten, die aufgebockt auf der Freifläche sehen. Welcher starker Gegensatz die schmucken Yachten, die man eher vor den Küsten St Tropez und Monte Carlo vermutet, hier im schlammigen Hafenbecken in der hintersten Ecke neben Abwasserkanälen und bei Ebbe grade mal zwei Meter neben freiliegenden Wattflächen zu sehen. Ebenso skuril wirkt die Szene des britischen Ehepaares auf der grossen, schicken Oyster (sie mit gepflegtem Blondschopf, Dior Sonnenbrille und er der gut situierte graumelierte Herr, der sich sportlich gibt). Sie sitzen am fein gedeckten Tisch beim Sektfrühstück  unmittelbar neben dem Wattrücken, der als Tummelplatz für Enten und Gänse dient und einen durchdringenden scharfen Zoogestank absondert. Die stürmischen Tage liegen wir bei Fox gut und sicher. Die Auswirkung der Tide im Becken beobachten wir fasziniert.