Typical British. Ja da ist sie wieder diese unverwechselbare Mischung aus Freundlichkeit, Charme und Offenheit ohne anbiedernd zu wirken. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt. Wie fern scheint einem der Kontinent. Es fängt schon an mit der anderen Zeitzone. Uhren eine Stunde zurück drehen auf BST, British Summertime.

Hektik und Gedrängele ablegen, hier ist queuwing angesagt. Ellenbogengesellschaft ade. Man ist kultiviert und rücksichtsvoll. Eben Gentleman und Lady. So gar nicht passe ich in die alt ehrwürdigen Räume des Clubhouse wo sich auch die Rezeption des Harbourmasters befindet. Leicht unausgeschlafen im blau-weissen Ringel T-Shirt, dass auch die letzte Nacht als Nachthemd gedient hat, meiner verblassten Dreiviertelhose, die Haare schnell zusammengerollt, trete ich an den Tresen. Mit ausgesprochener Liebenswürdigkeit überreicht der Hafenmeister mir die Speise-Empfehlung für das Abend Dinner im Club, den Catch of the Day. Gleichzeitig dazu erhalte ich allerdings auch die Rules des Hafens. Wieder an Bord werfe ich einen Blick in den Folder.

Nun weiss ich auch, warum er es für nötig hielt mir gleich den Dress Code mitzugeben.

Da heisst es: „ The Royal Norfolk & Suffolk Yacht Club wishes to offer a warm welcome to all guests, especially visiting yachtsmen but with the constraints oft the standards of dress required by a Royal Yacht Club. As a courtesy to all Members, Visitors and Members alike are expected to maintain a standard of dress in conformity with the tradition and atmosphere of the Club which will not cause offence to others. The following are offered as guidelines to dress within the Clubhouse:

Swimwear, hoods, crash helmets, men´s hats and shirtless attire are unacceptable. Jeans if worn, should not be frayed or torn, and not in the Dining room, please.

Footwear must be worn at all times

A jacket and a tie is preferred in the Dining Room but smart casual attire is acceptable unless more formal attire is specified.

Tailored shorts may be worn in the clubhouse but not in the Dining Room.”

Für den Abend planen wir uns in Schale zu werfen und im Clubhouse zu dinieren. Trotz der durchwachten letzten Nacht sind wir fit und laufen zur Stadt. An der sogenannte High street sind hauptsächlich Pound Shops, Wettlokale und Läden, die Papierkarten verkaufen angesiedelt. Das Publikum wirkt im Gro ärmlich. Hier klafft die Schere zwischen arm und reich grösser auseinander als anderswo. Viele Passanten sind „obese“, adipös, schwer übergewichtig. Ein trauriges Bild, dass einen nachdenklich werden lässt. Im starken Kontrast steht das Leben der Arbeiter, die den Mindestlohn von sieben Pfund dreiundachtzig Cent erhalten zu der snobistischen Welt der Elite. Im ASDA stocken wir unser Vorräte auf und durchqueren schuldbewusst, ob unseres Outfits in Jeans das ehrwürdige Clubhaus. Nun haben wir doch keine Lust mehr im verwaisten Dinning Room ein Steak zu verdrücken, sondern bevorzugen die Bordküche wo wir so bleiben können wie wie sind – casual!