Am Vorabend checken wir Tide und Windverhältnisse. Unser geplantes Ziel Hamburg fällt flach. Zu ungünstig die Bedingungen und das Getummel zum Hafengeburtstag müssen wir auch nicht haben. Als einziges Schiff in der Sportbootschleuse sind wir mit Vorlauf Wartezeit nach 1,5 Stunden auf der Elbe.

Wenigstens hat uns der reviertypische Funkverkehr die mühsame Warterei auf Standby vor der Schleuse verkürzt. Die Verkehrszentrale hält in norddeutscher Manier knapp und bündig alles in Schach.  Anruf einer Schiffscrew: „ Hier haben sich zwei Ketten aufgehängt, kommt noch jemand runter die schnell zu klarieren? Antwort: nee, nee fangt man selbst damit an.“ Schiff/Schiff: „ Berlin“; „ Strampler“; Jaouw Du, den Balken kannst Du steehnnn lassen, oalles klar Du.“

Es wird eine Rauschefahrt nach Cuxhaven. Unter vollem Tuch und mit kräftigem Schiebestrom geht es Richtung Elbmündung. Als Axel mit der Servicehotline von Raymarine spricht, um eine Programm- Installation am Kartenplotter abzuklären kommen wir leicht vom Kurs ab und die Querströmung versetzt und gefährlich nah an eine Fahrwassertonne. Haarscharf fliegen wir förmlich vorbei und der Tonnenkorpus dreht sich gurgelnd in der Strömung. Das ist ja nochmal gut gegangen.

Tidensegelei verlangt doch die volle Aufmerksamkeit. Bei der Hafenansteuerung ist es dann auch so wie am Flipperautomaten wo man die Kugel geschickt zwischen die Banden manövrieren muss. Bei 3 kn Querstrom ist volle Konzentration vom Skipper gefordert.

Cuxhaven hat sein eigenes Flair. Es gibt Modernisierung aber auch den Hauch der siebziger Jahre. Aus den Lautsprechern an der alten Liebe dröhnen Fakten zu den einlaufenden Schiffen. Maritimer Tand, Fischbrötchen und Seehundbankfahrt warten auf willige Touristen die mal Küste schnuppern wollen. Alles wirkt ein bisschen wie  eine Szene auf der Bühne vom Hamburger Ohnsorgtheater. Wir stocken die Vorräte auf, bunkern Wasser und haben im Innenhafen eine leider stark heruntergekommene Aphrodite (Schwesterschiff) entdeckt. 

Am Abend drehen wir eine Runde über den Wohnmobilstellplatz, der bis auf den letzten Platz belegt ist und machen eine Schnappschuss Richtung Kugelbake. Es ist ein schöner Sonnenuntergang an einem milden Abend. Wie untypisch für dieses rauhe Revier. Uns soll es recht sein.