Knappe 40 Meilen Süd konnten wir heute gut machen und dabei trotz der engen Schärenfahrwasser segeln, da der Wind einen günstigen Winkel hatte. Dabei haben wir nicht gezählt wie viele Boote wir passiert haben. Es ist fast wie auf einer Bootsaustellung. Man sieht viele unterschiedliche Modelle und Crews. Familien mit Kindern, die uns zuwinken, junge Pärchen, Jugendliche Gruppen, ältere Paare, alte Männer alleine oder junge Skipper einhand. Während wir in langen Hosen und Fleecepulli im Cockpit sitzen, haben die Schweden ein anderes Temperaturempfinden. Meist in Badekleidung und braungebrannt

mit freiem Oberkörper stehen sie im Wind. Einige segeln konzentriert, andere putzen unterwegs mit Schrubber. Auf einem Kielboot mit drei Jungs und einem Mädel, steht das Mädchen am Mast, um Ausguck zu halten. Das Boot segelt hart am Wind an der Kreuz und die Mannschaft ist bereits durchnässt, lacht aber fröhlich. Bei Ost Eknäs finden wir eine geeignete Bucht zum Ankern. Diesmal befinden wir uns an der äusseren Schärenkette ist die Vegetation zurückhaltender. Trotzdem bildet die kleine Insel guten Schutz gegen eine kleine störrische Welle, die der kräftige Nordost aufgebaut hat. Scharf abgegrenzt ist das ruhige Wasser hinter dem Fels vom bewegten Bereich. In einiger Entfernung liegt ein kleines Boot  direkt am Fels einer Nachbarinsel. Ein Grauhreiher steht am Ufer hinter uns und beobachten argwöhnisch unsere Anwesenheit. Die Seeschwalben hingegen gehen ihrem Fischfang weiter nach, indem sie kerzengrade mit dem Schnabel voraus ins Wasser stürzen. Der Wind zieht an und heult im Rigg. Wir verziehen uns unter Deck zum Kochen. Am nächsten Morgen geht es weiter. Bald ist der Rand des Schärengürtels erreicht und wir segeln im offenen Wasser.

Astarte läuft bald Rumpfgeschwindigkeit. Das Steuern ist anstrengend, da die Wellenberge, die von achtern anrollen das Heck mal nach rechts, mal nach linkswerfen. Wir wechseln uns ab und sind froh, als wir endlich das Fahrwasser von Mönsteras erreichen, denn mittlerweile bläst der Wind mit Beaufort 6. Erst kurz vor der Stadt wird es im engeren Teil des Fjordes ruhiger. Zu unserer Überraschung liegen bereits zwei kleinere Versionen unseres Schiffstyps im Hafen. Vor einer dänischen Ketch gehen wir längsseits. Nach dem Aufklaren gehe ich zum Tourismusbüro, dass hier gleichzeitig Hafenmeisterei ist. Dort werde ich mit einem „ herzlich willkommen“ begrüsst und die Asisstentin überreicht mir eine blaue Fliestragetasche mit Prospekten, Flaschenöffner, zwei Kugelschreibern, Wasserflasche, Kaugummis und einem Samenpäckchen Brunnenkresse. Im Sanitärhäuschen laufen Waschmaschine und Trockner auf Hochtouren, denn dieser Service im im Preis inbegriffen was nicht nur Yachties intensiv nutzen sondern auch die vielen Wohnmobile, die am Hafen stehen. Leider habe ich Pech und das falsche Programm benutzt, so dass die Wäsche triefnass herauskommt. Der Trockner schafft es nicht. Also von Hand auswringen und an Bord aufhängen. So nimmt das Projekt Wäsche neben Einkäufen, Dingi abbauen und Rumpf säubern denn auch den nächsten Tag noch in Anspruch. Wir scheinen mit den Reinigungsarbeiten auch andere angesteckt zu haben. Denn bald schrubbt und wienert es um uns herum. An Bord der schwedischen Aphrodite wehen die Bettlaken im Wind. Rentner oder Arbeitslose sammeln sich mit ihren Hunden und Bierbüchse in der Hand bereits am Morgen, um sich das Treiben am Hafen anzuschauen und die Sonne zu geniessen. Als am Vorabend noch einen Spaziergang machen, kommen wir mit den Schweden der 36er Aphrodite ins Gespräch. Gegenseitig laden wir uns an Bord ein, da jeder neugierig ist wie es bei dem anderen unter Deck aussieht. Die Schweden Stefan und Ora haben zwei Hunde dabei. Sie träumen von einer Weltumseglung und es ist ihr erster Sommer mit diesem Schiff. Unter Deck ist es unaufgeräumt, doch sie sind sehr relaxt und wir merken hier steht das Geniessen und Leben im Vordergrund. Am nächste Tag kann man resümieren: Jeder hat den anderen inspiriert. Wir sind gelassener geworden und die Schweden haben angefangen zu putzen und zu waschen. In der kurzen Zeit des Aufenthaltes bildet sich eine kleine Gemeinschaft unter den Seglern. So ist die freundliche Familie von der Holzketch hinter uns aus Dänemark. Der Pudel an Deck akzeptiert uns schnell und wir werden bald nicht mehr angeknurrt. Der Vater berichtet, dass sein Sohn in Kopenhagen studiert und das Schiff zum Wohnen dort nutzt. In die Aufarbeitung der alten Colin Archer haben sie schon 300 Arbeitstunden investiert. Draussen weht der Wind in Sturmstärke doch hinter dem ehemals als Getreidesilo genutzen Gebäude liegen wir gut geschützt.

Hafen von Mönsteras