Lammala ade. Hier hat es uns gut gefallen. Die ruhigste Nacht der Reise liegt hinter uns. Absolute Ruhe lag über der Bucht. Der hohe Wald verschluckte alle Geräusche. Wenn sich mal eine Hummel an Deck verirrte war deren Summen das einzige und lauteste Geräusch der Umgebung. Wir sind froh diese herrliche Natur geniessen zu können. Anker auf und seewärts zu neuen Zielen.

Wir haben drei Tage Zeit das finnische Archipelago zu durchqueren, bis das nächste Tiefdruckgebiet wieder Regen und stürmische Winde bringt. Auch verheisst die Vorhersage eine günstige Windrichtung aus Süd für die Fahrt nach Westen. Unser Ziel ist Marieham, um dort einen neuen Anlauf in Sachen Ohr zu nehmen. In der Zwischenzeit versuche ich es zur Abwechselung mal mit Hausmitteln und experimentiere im Eigenversuch mit Teebaumöl. Das bringt nach heftigem Brennen dann auch Erfolg. Gut gelaunt geht es zunächst Richtung Dalsbruk vorbei an bewaldeten Inseln, die fast alle bewohnt sind. Holzhäuser mit Anlegesteg lugen an vielen Stellen zwischen den Bäumen hervor. Die finnische Flagge weht an weissen Masten. Gartenstühle stehen am Ufer. Sommeridylle links und rechts. Wir schippern durch einen nicht enden wollenden Irrgarten aus Inseln, Fjorden und Buchten. Der mitlaufende oder Gegenverkehr besteht hauptsächlich aus Motorbooten, die mit hoher Geschwindigkeit und winkend an uns vorbei brausen. Wir wollen schnell offenes Wasser erreichen, um Segeln zu können. Daher haben wir eine Route gewählt, die eine Abkürzung bietet, aber das Unterfahren einer 19m hohen Brücke nötig macht. Nach unseren Recherchen müsst das ausreichend sein. Als die Brücke in Sicht kommt, tasten wir uns langsam heran. Dann der spannende Moment. Wird es passen?

Ein Autofahrer scheint dasselbe zu denken und hält mitten auf der Brücke an. Der Fahrer läuft an das Geländer, beugt sich herüber und fotografiert. Gebannt starren wir nach oben. Es sieht knapp aus. Der Abstand lässt sich von unserem Winkel schwer einschätzen. Langsam gleiten wir unter der Brücke durch. Aufatmen auf der anderen Seite. Im breiten Hauptfahrwasser gehen die Segel hoch. Es wird ein Bilderbuch-Segeltag bei optimaler Brise und wir machen ein gutes Tagesetmal. Abends wollen wir wieder ankern und ich habe dazu aus dem Kartenmaterial eine geeignete Insel herausgesucht, glaubte ich! Nach der kniffeligen Anfahrt fahren wir an die Stelle wo in der Karte das Ankersymbol vermerkt ist. Dieser Platz ist alles andere als geeignet. Vor uns erheben sich grade aus dem Wasser steile Felswände und an einem Steg in der Nähe liegen bereits Boote an einer einzigen Heckboje. Ernüchtert stelle ich fest: „ Hier ist kein Platz für uns.“ Neben dem Fähranleger, der für die Versorgungsfähre immer frei gehalten werden muss, sehe ich einen zweiten Steg. Ein kleineres finniisches Segelboot liegt bereits am Kopfende. Grade läuft ein Mann in gelber Jacke zu seinem Motorboot im seichten Innenhafen. Wir haben Glück! Hier dürfen wir längsseits am Steg übernachten und die Wassertiefe passt auch. An einem roten Holzhäuschen ist die Hafengebühr eingeritzt in Holz: EUR 5,-. Der freundliche Finne erklärt uns, dass das Hafengeld und die Gebühr für Strom einfach in eine Büchse geworfen werden. Ich trage mich im Gästebuch ein und stelle fest, dass wir seid das Buch im Jahr 2010 anfängt das erst deutsche Schiff hier sind.

So nimmt die Fahrt am unserem Glückssteg noch ein gutes Ende. Denn in diesem Gebiet hätten wir nirgendwo ankern oder festmachen können und weiterfahren müssen. Der Vollmond geht auf, aber die Sonne steht noch lange am Himmel. Auf schmalen Pfaden erkunden wir die Insel Berghamn und erklimmen den höchsten Punkt. Einige Kühe weiden im Schatten, verstreut liegen Holzhäuser umgeben von Heckenrosen und Wiesen in der Landschaft. Der kräftige violette Klee verströmt seinen süsslichen Duft. Hier kann man den Rest der Welt schnell vergessen.