Hat es am Vorabend noch günstig ausgesehen für die geplante Überfahrt nach Finnland, so wird am Morgen vor Abreise noch einmal erneut die aktuelle Wettervorhersage abgerufen. Das geschieht meist gemütlich im Bett liegend und danach entscheidet sich, ob man sich noch einmal umdreht und weiterschläft. Die innere Uhr ist schon so programmiert,

dass ich bereits einige Minuten bevor der Wecker klingelt aufwache und nach dem Handy greife, um Windrichtung, Stärke, eventuelle Regenfronten und die Wellenhöhe zu analysieren. Einen Faktor habe ich dabei wohl übersehen: Nebel. Der Blick aus dem Fenster ist getrübt. Noch hoffe ich, die beschlagene Scheibe durch wischen frei zu bekommen. Nein es ist kein Kondenswasser, sondern draussen ist die Suppe dicke. Na toll, denke ich, dass war es dann wohl. Hier werden wir also noch eine Woche festliegen, denn nur heute kämen wir noch vor der Sturmfront durch. Mittlerweile klingelt auch der Wecker und Axel entscheidet schnell: „wir fahren.“ „ Ja aber..“ setzte ich an. Er meint: „Draussen wird der Wind den Nebel wegtreiben und sobald wir von der Küste weggekommen sind, klart es auf. Ausserdem haben wir Radar.“ Also Katzenwäsche und schnell aufklaren. Bereits um 7.00 Uhr tuckern wir leise aus dem Hafen. Auf den anderen Yachten bleibt es ruhig. Nur auf der „Heart of Gold“ aus England ist ein Mann an Deck. Er ruft uns eine Warnung zu und schüttelt mit Kopf und Händen. Soll heissen: bleibt lieber hier im Schutz des Hafens als in das Ungewisse zu fahren. Doch wir tasten uns langsam vorwärts, die Blicke gebannt auf Plotter und Radar gerichtet. Wie aus dem Nichts taucht wenige Meter neben uns eine Fahrwassertonne auf. Es ist gespenstisch. Alle Laute sind gedämpft. Die Luft ist feucht und ein eisiger Hauch streicht über das Deck. Die Luftfeuchtigkeit kondensiert zu dicken Wassertropfen am Rigg und an der Reling.

Konzentriert lauschen wir auf Umgebungsgeräusche, sprechen nicht. Wir hören nur die Wellen an den Rumpf platschen und einzelne Möwenschreie aus der Ferne. Unsere einzigen Augen sind jetzt das Radar. Dann reisst der Himmel auf und ein strahlendes Blau kommt zum Vorschein. Aber nur über uns. Auf dem Wasser liegen dunkelgraue dichte Walzen. Aufatmen wenn es lichter wird, doch dann tauchen wir auch schon wieder in die nächste Wand ein. Die Insel Osmussaar erscheint kurz als die Schwaden auf reissen. Dann hat die Sonne mit ihrer Kraft doch gesiegt und rechtzeitig vor Erreichen der Schiffahrtsroute nach Osten hebt sich der Vorhang, so dass See und Himmel wieder in leuchtendem Blau vor uns liegen.

Der Spuk ist vorbei, Deck und Segel aufgetrocknet und Astarte spurt unbeirrt unter Autopilot selbständig Seemeile um Seemeile nach Norden ab. Die Anspannung der Nebelfahrt ist der Vorfreude auf Finnland gewichen. Unter voll Tuch rauschen wir an den ersten finnischen Schären vorbei. Angekommen in einer Welt des Segelsports. Hier scheint nahezu jeder auf dem Wasser zu sein. Kajaks, Motorboote in Aluminium, Kunststoff und Gummi neben einer Vielzahl von Segelbooten fahren und segeln kreuz und quer zwischen den unzähligen Inseln. Ein Marineschlauchboot schlägt seine Haken mit vollem Speed. Wir rollen die Segel ein und steuern in den Hafen von Hanko, der südwestlichsten Stadt Finnlands.