Was gibt es schöneres als eine Burgbesichtigung bei Regen? Alles ist glitschig und nass, aber einen Vorteil hat die Sache:

Bischofs Burg Haapsalu

Bischofs Burg Haapsalu

kein einziger anderer Tourist hat sich hierher verirrt. Draussen auf dem Burgplatz ist eine grosse Bühne aufgebaut uns hunderte von Stühlen für das Tschaikowsky Festival. Uns tun die Veranstalter leid. Hier wird heute Abend niemand sitzen. Zwei junge Mädchen sitzen frierend unter ihren Regenschirmen und müssen hinter einem Eisverkaufswagen ausharren. Kundschaft bleibt natürlich aus. Wir erklimmen den Glockenturm. Die Stufen sind steil und uneben. Immer enger wird der Aufgang und gewundener. Ein Eisenhandlauf verläuft an der Decke. Das ist schon eher etwas für Höhlenforscher als für den durchschnittlichen Touristen im Rentenalter. Trotz Schmuddelwetter geniessen wir den Ausblick über Stadt und Bucht. 370 kg schwere Glocken hängen im Turm.

Hoffentlich schlägt jetzt  nicht die Stunde wo wir so nah dran sind. Der Keller und das Kirchenschiff sind schnell abgehakt. Zu sehen gibt es nicht viel. Ein Raum listet die Namen der Ritter und Bischöfe mit Zeitangaben, Titel und Aufgabengebiet. Winrich von Kniprode ist auch dabei. Seinen Namen kenne ich schon von der polnischen Marienburg. Beim lesen der Name finde ich, dass frischgebackene Eltern auf Namenssuche hier sicherlich fündig werden. Ist es doch in Mode sein Kind möglichst ausgefallen und mit auch historischen Namen auszustatten. Die Auswahl ist gross. Beispielsweise: Peter Wetberg, Johannes Kyvel, Christian Kubane, Caspar Schuwenflug, Ludof Georg, Hoducus Honbech.

Winrich war wohl kleiner

Winrich war wohl kleiner

Aufgepeppt wird die eigentlich schmucklose und ruinenhafte Anlage durch die Sage vom Schicksal der weissen Dame. So soll in einem Domfenster bei Vollmondnächten im August die weibliche Gestalt der sogenannten weissen Dame erscheinen. Die Legende erzählt das Schicksal der jungen Frau so: Als der Bischof von Saare-Läne im Mittelalter herrschte, befahl er seinen Domherren ein keusches Leben. Frauen war das Betreten der Bischofsbug bei Todesandrohung verboten. Trotzdem verliebten sich ein Domherr und ein estnisches Mädchen leidenschaftlich ineinander. Da sie beieinander sein wollten, brachte der Domherr sein Mädchen in Knabenkleidung als Sänger in den Kirchenchor. Lange konnten die beiden ihr Geheimnis hüten, doch eines Tages kam die Scharade ans Licht. Das Urteil des Bischofs war hart. Der Domherr verhungerte im Burgverlies und die junge Frau wurde lebendig in die Wand der damals im Bau befindlichen Kapelle eingemauert. Ihr Klagen war noch einige Tage zu hören bis sie schliesslich verstummte. Aber ihre Seele fand keine Ruhe. Sie erscheint seid Jahrhunderten am Fenster der Taufkapelle, um den Verlust ihres Geliebten zu betrauern und zu beweisen: Liebe ist unsterblich.