Ein strammer Steam weht Astartes Bug entgegen als wir um die Ecke des Yachtbeckens in die Venta einbiegen. Unter Maschine kämpfen wir uns frei aus der Zone der reflektierenden Wellen. Eine alte See steht noch gegenan und einzelne Exemplare lassen den Bug tief eintauchen. Einmal erwischt es uns unvorbereitet und ein ganzer Schwall Wasser

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ergiesst sich über das Deck bis zum Deckshaus. Natürlich hatten wir die Mittelluke noch nicht ganz verriegelt. Doch wie durch ein Wunder ist kein Tropfen nach innen gelangt. Mal wieder Glück gehabt! Ein grosses Etmal steht an entlang einer unwirschen Küste, die mit ihren endlosen Sandstränden keinen Schutz bietet. Etliche Wracks zeugen von missglückten Versuchen einer Passage durch die Irbenstrasse. Die Irbenstrasse ist eine Meerenge, die die zentrale Ostsee mit dem Golf von Riga verbindet. Wir halten respektvollen Abstand zur Küste und nehmen nicht die Abkürzung dicht unter Land, sondern folgen der Grosschiffahrtsstrasse. Es wird eine Rauschefahrt am Wind. Nach dem Kap Ovisu können wir auffieren und laufen bald vor dem Wind mit gutem Speed. Bei 15 Grad Lufttemperatur und bedecktem Himmel lässt uns der Westwind selbst durch zwei Fleecelagen und weitern Zwiebellayer erschaudern. Auf dem Bildschirm beobachten wir seid geraumer Zeit ein Cargoschiff, dass von achtern aufkommend auf uns zuhält. Ausserhalb einer Schiffahrtsstrasse haben Segler selbst vor der maschinenbetriebenen Berufsschiffahrt Vorfahrt. Als schwächerer Verkehrsteilnehmer will man aber nichts erzwingen. Plötzlich schallt es aus dem Funkgerät: „Astat, Astat – Ziiiweiss Express“ . In zwei Sprüngen bin ich am Funkhörer und antworte:  Seaways Express, Seaways Express this is Astarte.“ Der Funker des Cargoschiffes informiert mich in asiatisch typischem Englisch, dass er uns an Backbord überholen möchte und wir Kurs halten sollen. Mit einem: „ Afirmativ, Sir, have a good watch“, verabschiede ich mich von dem Anrufer. Wir hätten sowieso Kurs gehalten, doch die ständigen Kursänderungen mal in die eine oder andere Richtung des Cargos haben uns irritiert. Erleichtert sind wir allerdings, dass wir auf diesem Wege erfahren haben, dass man uns nicht übersieht. Der orange Riese zieht vorbei und wenig später hören wir wieder die gleiche aufgeregte asiatische Stimme aus dem Äther schallen: „Mototanka, Mototanka, do you see me?“ Gemeint ist der Frachter „Reeperbahn“ mit Ziel Lübeck, ein Entgegenkommer. Im typischen norddeutschen Slang kommt die kurze und bündige Antwort: „ Seaways Express, don´t panic. We meet starbord to starbord. I keep clear.“Nach dem Runden des Kap Kolka und etwas mehr als zwölf Stunden erreichen wir Roja. Unseren ersten Hafen in der Bucht von Riga. Vorbei an der ehemals grössten und reichsten russischen Fischkolchose namens BANGA geht es an das Ende des Hafens, der an einer Flussmündung liegt. Als einziges Gastboot werden wir am Steg des örtlichen Segelklubs  herzlich vom lettischen Hafenmeister empfangen, als wären wir alte Freunde.