Einer der touristischen Höhepunkte Rügens ist selbstverständlich die Kreideküste mit dem 118 Meter hohen Königstuhl (Unesco Weltnaturerbe).

Kreidefelsen

Kreidefelsen

bei aufkommendem Nebel

bei aufkommendem Nebel

Trotz angekündigtem Regen wollen wir uns die Wanderung über den Klippen Hochweg nicht entgehen lassen. Am nächsten Tag haben wir Glück. Der Regen bleibt aus und die Temperaturen sind gestiegen. Pullover und Windjacke wandern schnell in den Rucksack, denn der Aufstieg vom Strand über eine Treppe bringt uns schon ins Schwitzen. Zum Glück verbreitet das Blätterdach des Buchenwaldes der Stubnitz eine angenehme Kühle. Mit 493 Hektar ist der Nationalpark Jasmunds eher ein kleinerer erhaltener Buchenwald. Die letzten grossflächigen Buchenwälder mit 29.297 Hektar liegen in den Karpaten. Die Ostkarpaten sind einer der ursprünglichsten Lebensräume Europas. Wir geniessen die Symbiose aus absoluter Stille, den glatten Buchenstämmen und den frischen hellgrünen Blättern. Ein besonderer Effekt ergibt sich durch die Sonneneinstrahlung, die die Blätter zum Leuchten bringt.  Caspar David Friedrich hat die Lichtstimmung exakt

festgehalten. Der Küstenverlauf mit seinen Einschnitten und Verwerfungen gibt dramatische Aussichten frei. Bäume sind herabgestürzt oder einzelne Exemplare klammern sich mit ihren Wurzeln an der äussersten Kante  ins Erdreich. Die steil abfallenden weissen Kreidewände bilden einen starken Kontrast zum Blau der fernen Ostsee. Unter uns am Fuss der Klippen ist der Wasser milchig grün, da der Kreidesockel in das Meer reicht.  Seenebel liegt über der Ostsee und zieht plötzlich an der Kliffkante herauf. In Fetzen schiebt sich die wasserdampfhaltige Luft zwischen die Bäume. Es ist ein mystischer Anblick.

_DSC0213

Jede Biegung zeigt neue Perspektiven. Der Weg führt teils dicht an der Kante entlang, dann geht es wieder landeinwärts. Auf den acht Kilometern bis zum Königstuhl, sind auch einige Höhendifferenzen zu  überwinden. Wir machen am Kieler Bach eine Pause und steigen über eine Treppe zum Ufer herunter.  Der Bach fällt aus den Kreidebrüchen als Wasserfall zum Strand herab. Am Steinstrand lassen wir uns zum Picknick auf einem Felsen nieder und schauen den Möwen nach, die sich im Aufwind an den Felswänden hochschrauben. Am Mittag hebt sich die Nebelwand und Ausflugsschiffe tuckern am Ufer entlang. Haben wir bisher nur wenige Wanderer gesehen, so füllt sich der Weg in der Nähe des Königstuhls. Auf der Plattform der Victoriasicht geraten wir in eine Gruppe um einen Nationalpark Ranger. Er erläutert wie die Kreideküste entstanden ist und gibt Hinweise zur heutigen industriellen Nutzung der Kreide:

 

„Ablagerungen aus Schalen und Skeletten von Kleinlebewesen, sind vor 70 bis 100 Milionen Jahren hier entstanden.  Seit 1845 wird in Sassnitz das „weisse Gold“ abgebaut. Um 1900 gab es über 20 Kreidewerke auf der Insel. Kreide wird  häufig als Bindemittel eingesetzt. Die Anwendungen reichen von der Beimischung für Farben, Düngekalk, Gips, Gummimischungen für Autoreifen, Kosmetikprodukte bis zur Rauchgasentschwefelung in Kraftwerken. Wir haben noch Vorkommen in den Kreidebrüchen für die nächsten 30 bis 40 Jahre. Kreide besitzt eine heilende Wirkung. Sie regt den Stoffwechsel an.“

_DSC0199

Baum an Kliffkante

Baum an Kliffkante

_DSC0263

lachender oder weinender Baumschwamm

_DSC0243

Schlange

_DSC0265 _DSC0242 _DSC0238 _DSC0221

Wir laufen weiter zum Nationalparkzentrum. Die Königstuhlplattform sparen wir uns und kehren um. Weg von den Massen, die aus den Pendelbussen, die zwischen Parkplatz und Königstuhl verkehren, ausgespuckt werden. Schnell verhallen die Zivilisationsgeräusche wieder und der Buchenwald verschluckt den Lärm. Bizarre Rindenmuster, Bruchholz, Schwämme faszinieren in der Nähe. Eine hellgrüne Schlange raschelt durch das Laub.

Müde aber mit vielen Fotos und Eindrücken erreichen wir Sassnitz und belohnen uns mit einem leckeren Fischgericht bei „Kutterfisch“.