Month: May 2016 (Page 1 of 2)

Südküste Schweden

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Der Wetterbericht bestimmt unseren Zeitplan. Wir wollen noch bevor der Wind für uns ganz ungünstig dreht Schweden erreichen. Denn wir können nicht gegen den Wind fahren. Also geht es um 6.00 Uhr in der Frühe los von Bornholm bei leichtem Wind, der dann später zulegt. So rauschen wir hoch am Wind bei Ostwind nach Nordosten Richtung Karlskrona. Bald schon passieren wir die Hauptschiffahrtsroute wo ein Kümo aufgereiht nach dem anderen mit ca im Mittel 14 Knoten fährt. Mit Hilfe des AIS Systems können wir den CPA – übersetzt den Closest point of approach; also Punkt der nächsten Annäherung oder Aufeinandertreffen der beiden Schiffe bequem einpeilen. Netterweise weicht uns sogar ein Schiff aus, indem es seinen Kurs um 4 Grad ändert.Nach zwei Stunden sind wir aus dem Track raus und können aufatmen. Wind und Wellen versetzen uns nach West, unser angepeiltes Ziel ist nicht zu halten. Daher nochmal ein Kreuzschlag. Doch um 17.00 Uhr erreichen wir die Ansteuerung von Karlskrona, einer ehemaligen Garnisonsstadt und auch heute noch einziger Marinestützpunkt Schwedens. Am Fahrwasser operiert ein Tonnenleger und spritzt grade den Unterwasserteil einer Fahrwassertonne mit einem Hochdruckreiniger ab. Der frische Wind bläst uns entgegen und sorgt wohl dafür, dass sich andere gedacht haben lieber im Hafen zu bleiben. Entlang an einer Vielzahl von Inselchen, auch Schären genannt, nähern wir uns dem Stadtzentrum. Auf dem Wasser ist es menschenleer. Der Gastbereich des Hafens ist grosszügig angelegt. Bisher haben sich aber nur eine Handvoll Gäste eingefunden. Die Saison ist hier also noch nicht im Gange. Moderne Gebäude säumen das Hafenbecken und beinhalten Servicegebäude, Hafenmeisterbüro, schicke Restaurants, Konferenzzentrum und Firmen. Das Sumlog zeigt 71,5 gesegelte Seemeilen an. Am Abend machen wir noch eine Spaziergang zur Stadt. Das Hafenufer ist gesäumt von Anglern, die sich ihr Abendessen fangen wollen. Es sind alles dem Aussehen nach Flüchtlinge aus Syrien. Die Stadt wirkt ausgestorben, ein richtiges Zentrum finden wir erstmal nicht. Nur parallel verlaufende Strassen mit Wohnhäusern, die den Standard und die Optik der 50er bzw 60er Jahre haben. Wir fühlen uns in der Zeit zurückversetzt. Es ist hier alles einfacher als in Deutschland. Ein Kiosk hat noch auf. Wir wollen einen schwedischen Handychip kaufen. Auch hier wieder ein Pakistani oder ähnlich, der mit uns die Verhandlungen in einen Kauderwelsch aus Schwedisch, Englisch und Pidgin irgendwas führt. Am nächsten Tag merken wir, dass er uns übers Ohr gehauen hat und die Karte abgelaufen war. Da hat man uns als typischen Touristen übertölpelt. An diesem Abend sehen wir ausser Axel selbst keine Person mit blonden Haaren, nur alles dunkelhäutige dunkle Typen. Sind wir hier wirklich in Schweden angekommen? Am nächsten Tag ist erstmal Bootswäsche und Klamottenwäsche angesagt. Das Boot ist überzogen mit einem Schmierfilm aus Rapspollen und Salz. Schliesslich entdecken wir doch noch ein altes Zentrum mit imposanten Kirchen, Säulenfassaden und einem alten Fischerviertel. Hier reihen sich geduckte kleine Holzhäuschen in allen Farben entlang der schmalen Gässchen auf. Vor der Tür nett arrangiert Tisch und Stühle oder Bänke mit Blumen oder sonstiger Deko. Kein Laut ist zu hören. Die Sonne steht hoch und brennt unnachgiebig auf uns herunter. Nur im Schatten von Häuserfronten oder Mauern können wir es aushalten. Also schnell zurück zum Hafen wo wenigstens eine Brise geht. Nach einem Hafentag geht es weiter, denn die Südostspitze von Schweden mit den vorgelagerten Klippen Utklippan, dessen Name aus dem Seewetterbericht bekannt ist, kann bei Starkwind unangenehm werden. Morgens bewegt sich noch kein Lüftchen. Das Boot zerteilt die spiegelglatte See. Am Wellenbrecher, der das Ende des Fahrwassers markiert, kommt uns ein sehr imposantes schwedisches Küstenwachschiff, die Amfirite entgegen. Freundlich winkt die Mannschaft von dem einige Stockwerke hohen dunklen Koloss herunter. Nach und nach setzt der Wind ein und wir runden das Kap, Kurs Öland liegt an.

Bild 1 bis 4: Bornholm Westküste, Hammerhavnen, Aufstieg zur Burgruine Hammerhus

Bild 5: Schwedisches Küstenwachschiff Amfititre

Bild 6: Lotse im Hafen von Karlskrona

Bild 7 und 8. Am Marktplatz von Karlskrona

Bild 9: Axel am Axel

Bild 10: Altes Fischerhausviertel in Karlskrona

Bornholm Rönne – Alkohol liegt in der Luft

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Holzsegler vor Rönne Stadt-Wir steuern den Yachthafen von Roenne an und finden Platz in einer Box. Zwei Boxen weiter feiert schon ausgelassen mit viel Alkoholkonsum eine Gruppe finnischer Jugendlicher auf einer Swan. Wir denken: also eine unruhige Nacht. Doch ab 22.00 Uhr war zum Glück Bettruhe, da die Finnen schon mehr oder weniger zugedröhnt ihren Rausch ausschliefen.

Nach dem Aufklaren liefen wir noch zur Stadt, wobei Roenne eher dörflichen Charakter ausstrahlt. Die typischen geduckten dänischen Häuschen in braunrot und gelb mit Fachwerk säumten die mit Kopfsteinpflaster belegten Strassen. Im Ort war kaum etwas los. Uns kamen nur ab und zu junge Frauen entgegen. Mal mit mal ohne Kinderwagen.

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Sassnitz – der schnelle Aufbruch

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Eine Hochdrucklage würde uns für mindestens eine Woche in Sassnitz festhalten. Dies war uns dann doch zu lang und es wurde schnell umdisponiert. Heute war der letzte Tag wo wir mit Südost Wind noch Bornholm erreichen konnten. In Null Komma nichts waren die Leinen gelöst und unterwegs wurde alles verstaut und im Cockpit gefrühstückt. Da wir ein 50 sm Etmal vor uns hatten, konnten wir uns keine Trödeleien leisten.

Die Überfahrt lief glänzend. Stets mit um die 7 kn rauschten wir Richtung Nordost Dänemarks Sonneninsel entgegen. So wird Bornholm auch genannt, da ein Mikroklima hier für viele Sonnenstunden und schönes Wetter sorgt. Aus dem Funkgerät spricht eine männliche Stimme mit typischem norddeutschem Akzent. „Hier ist die Roland von Bremen. Die Roland von Bremen ruft die Emotion. Bitte gehen Sie an unserem Heck vorbei der CPA ist zu nah“. Die Antwort auf Englisch mit holländischem Akzent fällt negativ aus.

We are a deep draft vessel. I will not alter my course.

Der deutsche Segler scheint es nicht zu verstehen und quengelt noch zweimal rum. Stets kommt die stoische Antwort, dass das Cargoschiff seinen Kurs beibehalten wird und ihm nicht ausweichen wird. Schliesslich hören wir nichts mehr. Da hat wohl die Vernunft gesiegt, denn Tonnage geht vor Besserwisserei. Bestimmt ein Vereinsschiff mit euphorischer Herrencrew an Bord wo der Skipper seiner Crew mal zeigen wollte wie man das macht.

Ein herrlicher nahezu ereignisloser Segeltag ohne viele Schiffe zu sichten, wenn da nicht der unerwartet Besuch an Bord gewesen wäre.

Ungefähr auf halbem Wege flog plötzlich eine Brieftaube an Deck. Sie war beringt. Es dauerte keine 10 Minuten, da landete noch eine zweite auf dem Achterdeck. Die Vögel hatten alle Mühe sich auf dem schrägen Deck zu halten. Nach einigem Umherwandern und Inspektionsgängen liessen sie sich in einer Ecke nieder, krallten sich an der Schot fest und plusterten sich auf, um dem kalten Wind etwas entgegenzusetzen.

Zum Aufpäppeln gab es eine Handvoll Haferflocken, die aber kein Interesse fanden. Schliesslich entschieden sie sich dann doch beim zweiten Versuch mit Sonnenblumenkernen zu picken. Auch ein Schälchen mit Wasser wurde gerne angenommen. Unsere Gäste segelten bis Bornholm mit. Sie wichen selbst beim Segeleinholen und Auftuchen nicht zurück. Vor dem Hafen dann mussten wir sie endlich los werden. Sie stiegen in die Luft und schienen wieder Richtung See zu fliegen. Hoffentlich haben sie ein Schiff gefunden, dass sie wieder nach Rügen zurückbringt.Warnow sa-0057 sa-0068

Sassnitz

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Wir runden das Südperd, später Nordperd und queren dann die Prorer Wiek nach Sassnitz.

Ein Hafen, den wir vor über 15 Jahren bereits einmal angelaufen hatten. Mal sehen was sich verändert hat in dieser Zeit. Mittlerweile ist die See spiegelglatt, die Sonne sticht. Wir laufen zunächst die Bunkerstation an. Ein unglücklicher Anleger eigentlich nur für die Grossschiffahrt geeignet. Alles geschlossen und keine gute Position sich länger als nötig aufzuhalten. Wir steuern die neue Marina innerhalb der grossen Hafenbecken von Sassnitz an. Bisher liegen nur drei kleiner Segler dort, ansonsten sind alle Boxen verwaist. Eine Horde Möwen hat stattdessen die Steganlage in Beschlag genommen. Da heisst es aufpassen und all das Guano umrunden beim Betreten. In diesem Hafen wird erstmalig nach genutzter Boxengrösse und nicht nach Bootslänge bezahlt. Dies führt dazu, dass kleinere Boote keine grossen Plätze wie sonst belegen, sondern sich in die Box mit der geringsten Bemassung quetschen. Um das Hafenbecken grupperien sich Cafes, Restaurants, der alte Hafenbahnhof beherbergt einen Bäckereibetrieb. Eine moderne geschwungene freischwebende Fussgängerbrücke verbindet das Hafenareal mit der oberhalb der Steilküste befindlichen Stadt.

Alte Bäderromantik vermischt sich mit Ex DDR Tristesse.

Das nördliche Zentrum der Insel Rügen mit seinen 10200 Einwohnern ist der älteste Badeort an der Ostküste (seit 1824). Viele Prominente logierten im 19. Jahrhundert in den über 40 Hotels und Pensionen, darunter Theodor Fontane, Johannes Brahms und auch die kaiserliche Familie. Nach der Bahnanbindung 1891 entwickelte sich Sassnitz jedoch nach und nach zu einem Industriestandort für Fisch- und Kreideverarbeitung.

 

Ein eigentümlicher Mix aus modernen Eigentumsblöcken, alten Seebäder Villen und Plattenbau Altlasten macht Sassnitz heute aus. Hier ist im Gegensatz zu viele anderen Orten im Osten die Zeit doch noch ein bischen stehengeblieben. Besonders das 1969 erstellte Rügen-Hotel ist eine heruntergekommene Bausünde doch zugleich auch Wahrzeichen eines Teils der deutschen Geschichte.

Für eine kurze Nacht beherbergte Rügen einen Gast, dessen Name damals noch kaum jemand kannte. Am 12. April 1917 traf zu später Stunde ein Zug aus der Schweiz in Sassnitz sein, der einen plombierten Wagon mit sich führte. In diesem reisten Revolutionäre verschiedener Nationalität, die in Russland das Regime stürzten wollten. Es war darunter auch Wladimir Iljitsch Lenin, nach St. Petersburg . Die deutsche Reichsregierung hatte ihnen erlaubt, aus ihrem Exil in der Schweiz über Deutschland und Schweden nach Russland zurückzukehren. Lenin und seine Genossen mussten die Nacht in dem Zugabteil verbringen, da die letzte Fähre nach Schweden bereits ausgelaufen war, als sie in Sassnitz eintrafen.

Nach der Aufstockung unserer Lebensmittelvorräte, einem leckeren Fischbrötchen und gemütlichem Abendessen mit frischem Spargel verbrachten wir die Nacht an Bord.

Am nächsten Morgen legte ich unsere Wanderschuhe und Wanderbekleidung raus, denn wir wollten zum Königstuhl über den Höhenweg wandern. Doch Pläne ändern sich schnell, wenn man mit dem Wind reist.

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Thiessow – “What’s your problem?”

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Am nächsten Tag schlichen wir mit 1 bis 2 Knoten mal wieder bei lauem Lüftchen und diesigem schwülem Wetter Richtung Rügens Inselteil Mönchsgut. Am Abend kamen dunkle Wolken auf und brachten Wind. So verzogen wir uns in den Zicker See nach Thiessow. Genau zum Anlegemanöver hatten wir böigen ablandigen Wind. Der Hafenmeister deutet auf einen Platz an der Spundwand. Ein hilfsbereiter Alter in Short, T-Shirt und Badeschlappen wollte unsere Leinen annehmen. Diese Hilfe erwies sich aber nicht als hilfreich. Wir sind eingespielt und haben unsere Vorgehensweise. Oft – je nach Wetterbedingung und Anlegeplatz – stört es dann mehr, wenn sich jemand einmischt (obwohl es ja generell sehr nett von der jeweiligen Person ist). So war es auch prompt und das Manöver misslang. Wir wurden abgetrieben und hangen nun nur an der Bugleine mit dem Bug im Wind. Der Mann hatte völlig falsch gezogen. Wir verlängerten die Achterleine und übergaben ihm diese. Er legte sich mächtig ins Zeug und stemmte sich mit den Badelatschen in den Boden mit dem Rücken dem Wind trotzend. Millimeter um Millimeter zog er uns an die Wand heran. Wirkte der Hafen vorher ausgestorben mit den Yachten wo überall schon die Regenpersenninge aufgezogen waren, so sahen wir jetzt unter diesen Köpfe lugen, die sich amüsiert genüsslich dieses Hafenkino anschauten. Endlich lagen auch wir fest und verzogen uns zum kochen nach unten. Draussen wurde es mit Regen und Wind sehr ungemütlich. Nach zwei Stunden war die Front durch, es klarte auf uns wir machten noch einen Spaziergang zum Ostseestrand.

Am nächsten Tag ging es früh weiter, denn der Wind sollte ab mittags einschlafen. Tatsächlich gab es um 11.00 Uhr schon kein Lüftchen mehr und die Maschine musste uns weiterschieben.

Während wir noch unter Segeln durch die Fahrwasserrinne vorbei am Thiessower Haken glitten, hörten wir ständig die Funksprüche eines polnischen Sicherungsschiffes. Gerufen wurde ein Segler, der wohl einem im Bau befindlichen Windpark zu nahm kam. Mangels Englischkenntnissen reagierte der Segler erst nach einer halben Stunde mit der Antwort:

What´s your problem?

Schliesslich schaltet sich die deutsche Küstenwache Bredstedt ein und vermittelt. Der Segler soll schnellstens eine Kurs von 090 Grad fahren, um nicht Mitten in die Bauarbeiten zu geraten. Endlich wieder Funkstille und ein kleines Problem gelöst.

Mönchsort

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